Chinas Führung setzt auf Technologie. Das wurde im soeben verabschiedeten neuen Fünf-Jahres-Plan deutlich. Dort sind auch die Technologiebereiche aufgelistet, in denen China mitmischen und an die Weltspitze gelangen will. Die Palette der Technologien ist breit: Sie reicht von Künstlicher Intelligenz über Robotik bis zu Biopharma. Fast täglich tauchen in diesen Tech-Bereichen neue Start-Ups auf, so dass man etwas den Überblick verlieren kann. Ich will deshalb in den nächsten Wochen und Monaten in einer Serie die hoffnungsvollsten jungen Tech-Unternehmen Chinas vorstellen. Heute stelle ich Pony.ai vor, einer der Pioniere des autonomen Fahrens.
Ein Start-Up kann man Pony.ai nicht mehr nennen. Das Unternehmen wurde schon vor zehn Jahren im Silicon Valley gegründet, später zog das Headquarter nach Guangzhou um. Aber es hat im kalifornischen Fremont nach wie vor eine wichtige Dependance. Überhaupt gibt es sehr enge Verbindungen zwischen China und den USA. Die Gründer James Peng (CEO), Tiancheng Lou (CTO) und Haojun Wang (CFO) arbeiteten alle sowohl bei amerikanischen als auch chinesischen Internet-Unternehmen. James Peng zum Beispiel promovierte in Stanford und arbeitete danach elf Jahre lang für Google und Baidu. Auch bei der Finanzierung spielen chinesische und amerikanische Quellen eine wichtige Rolle. So ging Pony.ai im November 2024 in New York an die Nasdaq-Börse, ein Jahr später folgte dann ein IPO in Hongkong.
Pony.ai gehört zu den Pionieren des autonomen Fahrens und spielt inzwischen in China eine führende Rolle. Es hat als einziges Unternehmen eine Lizenz für Robotaxis auf Level 4 in den vier großen chinesischen Metropolen Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen. (Level 4 bedeutet, dass keine Sicherheitsfahrer erforderlich sind). Über 1000 Robotaxis hat Pony.ai derzeit im Einsatz. Die Zahl soll bis Ende 2026 auf 3000 steigen. Die Hälfte davon soll im Ausland zum Einsatz kommen – auch in Europa. Wichtiger Einsatzort ist Dubai. Dort bekam Pony.ai im September 2025 die Genehmigung für öffentliche Testfahrten. Peng sagte damals: „Das ist ein Meilenstein in unseren globalen Vermarktungsplänen.“ Im Oktober 2025 hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit Stellantis (Marken: Citroen, Peugeot, Fiat und Opel) geschlossen, um gemeinsame Robotaxis für den europäischen Markt zu entwickeln. Pony.ai setzt auf Partnerschaften, vor allem mit Autoherstellern wie Toyota, Hyundai und den beiden chinesischen Firmen BAIC und GAC. Das Unternehmen liefert Software für das autonome Fahren und Know-How in der Fahrzeugproduktion.
Aber Pony.ai ist nicht nur im Bereich Robotaxis aktiv, sondern will das autonome Fahren auch im Lkw-Bereich forcieren. Dazu wurde die Division Pony Truck gegründet. Auf der soeben in Beijing zu Ende gegangenen Messe Auto China stellte Pony.ai den ersten Lkw auf Level 4 vor. Dort wurde auch verkündet, dass man den Preis für Robotaxis bald drastisch senken werde, nämlich auf unter 230 000 Yuan (rund 33 000 $).
Auf der Messe wurde eine Roadmap für die nächsten zehn Jahre vorgestellt. Ihr Titel: „A New Decade, A New Journey.“ Die nächsten zehn Jahre werden – so die Überzeugung der Macher von Pony.ai – den Durchbruch für das autonome Fahren bringen. Und sie wollen an vorderster Front dabei sein.
Info:
Hier ein Video über ein Robotaxi von Pony.ai im alltäglichen Einsatz: https://www.youtube.com/watch?v=OK6a9UUtlBs&t=103s