Können sich Deutschland und die deutschen Unternehmen gleichzeitig von China und den USA abkoppeln? Nein, das wäre mit schweren wirtschaftlichen Einbußen verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt die umfassende Studie „Which Side are you on? Geoeconomic coercion and German corporate networks on the China-US rivalry”, die von vier Forschern der University of Sussex und des King’s College in London erstellt wurde. Die Verfasser untersuchten die Abhängigkeiten von deutschen Unternehmen, die im Dax und M-Dax notiert sind. Sie teilten dabei die untersuchten Unternehmen in vier Branchencluster ein: Auto-Engineering, Chemie/Pharma, Digital/Telecom und Semiconductor. Untersucht wurde die Abhängigkeit der Firmen von China und den USA bei Absatz, Produktion und Lieferketten. Die Trends sind dabei klar: die Unternehmen des Clusters Auto-Engineering sind stärker von China abhängig, während die Unternehmen des Cluster Digital/Telecom sehr stark von den USA abhängig sind. Chemie- und Pharmafirmen liegen dazwischen. „Führende Industrieunternehmen wie Siemens und BMW wurden in einem grundlegend globalisierten System aufgebaut und können sich weder von China noch von den USA entkoppeln, ohne verheerende Verluste zu erleiden“, sagte Steven Rolf, einer der Autoren, gegenüber Reuters. Siemens erwirtschafte 24 Prozent seines Umsatzes in den USA und 12 Prozent in China. Bei BMW würden die entsprechenden Zahlen 20 Prozent (USA) und 25 Prozent (China) betragen. Bei den Chemiekonzernen lauteten die Zahlen: Bayer (24/USA und 14/China) und BASF (23/USA und 13/China). Schlussfolgerung der Autoren angesichts dieser Verflechtungen deutscher Konzerne: Diese verhindere eine einheitliche Außenhandelspolitik der deutschen Regierung.
Info:
Hier kann man den Artikel in der Review of International Political Economy downloaden: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09692290.2026.2622519