Über die Rolle der Frau im heutigen China, den Feminismus in China und was die westlichen Feministinnen von ihm lernen können – darüber sprach die Sinologin Emily Kossak in ihrem Newsletter „How to China“ mit Li Wen. Die Journalistin Li Wen hat China 2012 verlasen und lebt seitdem in Berlin. Seit 2018 produziert sie von dort den feministischen Podcast „Seahorse Planet“, der zwar in China zensiert ist, aber trotzdem von vielen Chinesinnen gehört wird. Li sagt, dass das Jahr 2008 eine Zäsur im chinesischen Feminismus war. Zuvor hätten sich infolge der Weltfrauenkonferenz 1995 in Beijing einige NGOs gebildet, die öffentlich feministische Themen und Thesen vertraten. Nach 2008 sei eine neue Generation von Feministinnen aufgetreten mit einer „Art Grassroot-Feminismus auf Online-Plattformen“. Sie widmeten sich mehr dem privaten Bereich und stellten Fragen wie: Will ich so aufwachsen wie meine Mutter? Oder: Warum erbt mein Bruder das Haus und nicht ich? Dieser Fokus auf die Privatsphäre ist ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen östlichem und westlichem Feminismus. Es sei ein Trugschluss, dass man im Westen glaube, in China passiere nichts, nur weil wir nicht auf die Straße gehen. „Aber vieles muss gar nicht auf der Straße stattfinden,“ sagt sie und verweist auf die Veränderungen, die im Privaten passieren.
Info:
Hier das Interview von Emily Kossak in deren Newsletter „How to China”: https://steady.page/de/emilys-china-news/posts/c08b464e-00dd-4b9b-8371-885b9f9541da
Hier geht es zu ihrem Podcast „Seahorse Planet“ (in Chinesisch): https://seahorseplanet.net/