Haben Sie schon mal von den nördlichen Marianen-Inseln gehört? Sie liegen mitten im Pazifik, waren mal Deutsch (1898-1914), gehören aber längst zu den USA, sind aber von dort weiter entfernt als von China. Seit 2009 dürfen Chinesen visafrei auf die Inseln einreisen. Das hat damals Präsident Barack Obama verfügt. Er wollte dadurch den Tourismus im – wie es richtig und offiziell heißt – Commonwealth of the Northern Mariana Islands (CNMI) ankurbeln. Es kamen auch Touristen aus China, aber eine ganz besondere Art von Touristen: Frauen, die auf der Insel ihr Kind gebären wollten, das damit die US-Staatsangehörigkeit erhielt. Denn in den USA gilt das „jus soli“, das Recht des Bodens. Auf Deutsch: Wer in den USA geboren ist, ist amerikanischer Staatsbürger. So steht es seit 1868 im 14. Zusatzabkommen der amerikanischen Verfassung: „All persons born or naturalized in the United States, and subject to the jurisdiction thereof, are citizens of the United States and of the State wherein they reside.”
Doch dieser Passus ist für Donald Trump ein Ärgernis. So unterzeichnete er gleich am ersten Tag seiner Amtszeit eines seiner berühmten Executive Orders mit dem Titel „Protecting the Meaning and Value of American Citizenship“. Danach soll es keine Staatsbürgerschaft für Kinder von Müttern geben, die nur vorübergehend die USA besuchen, wie zum Beispiel als Studentin, Arbeiterin oder Touristin. Mehrere Gerichte kassierten freilich diese Executive Order. Deshalb landete das Problem nun vor dem U.S. Supreme Court, dem höchsten Gericht der USA. Dort fand am 1. April die erste mündliche Verhandlung statt, zu der – und das ist sehr ungewöhnlich – der US-Präsident höchstpersönlich auf der Zuschauertribüne erschien, was zeigt, wie wichtig ihm das Thema ist. Einen Tag vorher polterte er bereits in den sozialen Medien: „Birthright Citizenship is not about rich people from China, and the Rest of the World, who want their children, and hundreds of thousands more, FOR PAY, to ridicously become citizen of the United States of America. It´s about the BABIES OF SLAVES.”
Wie groß ist überhaupt das Problem? Verlässliche Zahlen gibt es nicht, auch weil die Behörden nicht die Nationalität der Mütter registrieren. So ist man auf Schätzungen angewiesen- und die variieren stark. Das Center for Immigration Studies spricht von 20 000 bis 39 000 Babies, die 2020 von „birth tourists“ geboren wurden. Jeremy Niskanen, Forscher beim Niskanen Thinktank in Washington, hält diese Zahlen „egregious overestimated“. Er sagt, es seien weniger als 2000 pro Jahr. Eine Gruppe von 141 Universitätsprofessoren schreibt in einem Brief (Amicus Curiae) an den Supreme Court von „an infinitesimal population“.
Also viel Lärm um (fast) nichts? Nicht für Trump und seine Republikaner. „It´s a huge problem“, sagt Senator John Cornyn (Texas) gegenüber der Zeitung USA Today. Senator-Kollege Ted Cruz spricht ebenfalls gegenüber USA Today von „a blatant abuse of our immigations law.“ Ihre Sorgen richten sich vor allem gegen chinesische Geburtstouristinnen. Darunter seien – so wird argumentiert – sicher auch Kinder von Kadern, die dann später in den USA wählen dürften. Auch wird befürchtet, dass kleine chinesische Spione geboren werden. „Unsinn“, sagt Geoffrey Fraiche, der die Gynäkologie im einzigen Krankenhaus in Saipan, der Hauptstadt der Marianen Inseln, leitet und der mit vielen chinesischen Müttern gesprochen hat. Er sagt gegenüber The New York Post: „It´s a status symbol for many of the moms. They want their children to got to American universities.”
Wie geht es nun weiter? Der Supreme Court wird irgendwann entscheiden. Nach der mündlichen Verhandlung sind sich die objektiven Beobachter einig, dass die Regierung scheitern wird. Nicht mal die konservativen von Trump eingesetzten Richter wären dem Generalstaatsanwalt D. John Sauer gefolgt, schreibt CNN. Das sei „ein besonders schlechtes Zeichen für die Regierung.“
Info:
Trumps Executive Order: https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/01/protecting-the-meaning-and-value-of-american-citizenship/#:~:text=(a)%20It%20is%20the%20policy,Enforcement.
Amicus Curiae-Brief: https://www.supremecourt.gov/DocketPDF/25/25-365/399459/20260226190357248_No.%2025-365_Amicus%20Brief.pdf
Anhörung vor einem Senats-Ausschuss am 11. März: https://www.judiciary.senate.gov/committee-activity/hearings/protecting-american-citizenship-birthright-citizenship-for-illegal-aliens-and-tourists-03-10-2026