Das schafft nur Chinas Führung. Kein anderes Land der Welt kann so viele Unternehmensbosse aus aller Welt einladen – und fast alle folgen der Einladung. Für die Eingeladenen ist es einerseits eine Ehre, aber auch ein Muss, denn keiner will durch sein Nichterscheinen Chinas Führung verprellen. So war auch beim diesjährigen China Development Forum (CDF) wieder die globale Wirtschaftselite vertreten. Zwei Tage lang trafen sich Dutzende von CEOs aus aller Welt im Daioyutai Gästehaus zu Small Talks und zu 13 Seminaren über jeweils 90 Minuten. Acht Key Notes mussten sie sich anhören.
Ministerpräsident Li Qiang hielt die Eröffnungsrede des Forums, das seit 2000 jedes Jahr stattfindet. Damals wurde es vom legendären Ministerpräsidenten Zhu Rongji als ein Format gegründet, um sich zwischen Politik und Wirtschaft auszutauschen. Damals öffnete sich China durch den WTO-Beitritt zur Welt. Über die Jahre wurde das China Development Forum immer größer und bedeutender. Das zeigt auch ein Blick auf die diesjährige Teilnehmerliste. Darauf standen – um nur ein paar wenige zu nennen – die CEOs von ABB, FedEx, McDonald´s, Nestlé, Novartis, Pfizer, Rio Tinto, Roche, Samsung, Shell und UBS.
Aus Deutschland nahmen dieses Jahr folgende Top-Manager teil: Oliver Blume (Volkswagen), Ola Källenius (Mercedes Benz), Stefan Hartung (Robert Bosch), Roland Busch (Siemens), Markus Kamieth (BASF), Bernd Montag (Siemens Healthineers), Hubertus von Baumbach (Boehringer Ingelheim) und Christian Hartel (Wacker Chemie).
Zudem war aus Deutschland noch Lars-Hendrik Röller dabei. Der Professor an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin stand auf der Liste der Instititutional Representatives. Röller, der übrigens mit einer Chinesin verheiratet ist, dürfte diese Einladung vor allem der Tatsache verdanken, dass er der frühere Wirtschaftsberater von Angela Merkel im Kanzleramt war.
Interessant ist auch ein Blick auf die Liste der teilnehmenden Wissenschaftler: Vier Nobelpreisträger der Wirtschaft waren dabei, zwei davon von der Chicago University. Ebenfalls anwesend waren der Harvard-Historiker Graham Allison (der mit seinem Buch über die Thukydides-Falle weltberühmt wurde), und die beiden Columbia-Professoren Jeffrey Sachs (Wirtschaft) und Adam Tooze (Geschichte), die in den letzten Jahren Dauergäste waren.
Das war auch Stephen Roach, der langjährige Chefökonom der US-Investmentbank Morgan Stanley. Er war seit 2001 dabei. Doch in den vergangenen Jahren fiel Roach, der nach seinem altersbedingten Ausscheiden bei Morgan Stanley an der Yale University lehrt, in Ungnade. Er hatte sich offenbar zu kritisch über China und vor allem Hongkongs Wirtschaft geäußert. Er durfte in den vergangenen Jahren zwar noch teilnehmen, aber nicht – wie in den vielen Jahren zuvor – eine Speech halten. Und nun wurde er zum diesjährigen Forum erst gar nicht mehr eingeladen. „I was disappointed, but not shocked“, schrieb Roach in einem Blog-Beitrag mit dem Titel “The End of Debate in China”. Darin zieht er eine Bilanz des China Development Forums aus seiner Sicht. Früher hätte es noch Diskussionen gegeben, heute dagegen sei es nur noch eine Abfolge von Reden und Statements. Sein Fazit: „The CFD has lost its soul.“
Info:
Hier die Teilnehmerliste: https://en.cdf.org.cn/cdfen2026/chjb/11662.htm#content
Hier das Programm: https://en.cdf.org.cn/cdfen2026/rcap.htm
Beitrag von Stephen Roach: https://stephenroach.substack.com/p/the-end-of-debate-in-china?r=b3&utm_medium=ios&triedRedirect=true