SPORT I Fan und seine Fans: Ein Weltmeister in Saarbrücken

Normalerweise trägt der 1. FC Saarbrücken seine Heimspiele in der Tischtennis-Bundesliga im Saarbrücker Sportcampus aus. Doch am vergangenen Sonntag musste er in die wesentlich größere Saarlandhalle umziehen, weil über 3000 Karten schon im Vorverkauf weggingen. Grund für diesen Boom war nicht der attraktive Gegner, obwohl die TTF Ochsenhausen durchaus zu den Top-Teams der Liga zählt. Nein, die vielen Zuschauer wollten den Spitzenspieler der Heimmanschaft sehen – und der ist kein Geringerer als der zweifache Weltmeister und Olympiasieger von 2024 Fan Zhendong (28). Der Chinese spielt seit Anfang der Saison für die Mannschaft aus Saarbrücken.

Wie kommt ein Weltmeister aus China ins Saarland?

Nach seinem Olympiasieg in Paris im Sommer 2024 war Fan Zhendong müde und ausgelaugt. Er brauchte eine Pause und sagte deshalb seine Teilnahme an den Weltcup-Turnieren ab, die permanent irgendwo auf dieser Welt stattfinden. Organisator dieser Turnierserie ist der Welttischtennisverband ITTF. Dessen Regeln besagen, dass Spieler, die nicht an diesen Turnieren teilnehmen, mit Geldstrafen und Strafpunkten belegt werden. Das passte Fan, der von April 2021 bis März 2024 Weltranglisten-Erster war, überhaupt nicht. Er legte sich mit der ITTF an. Weil diese aber auf die Einhaltung der Regeln pochte, zog Fan die Konsequenz und beendete seine internationale Karriere. Tischtennis wollte er nur noch auf nationaler Ebene weiterspielen – in China und sonst am liebsten in Europa.

So meldete sich Ende April beim Manager des FC Saarbrücken, Nicolas Barrois, ein Mittelsmann aus China mit der Botschaft, Fan sei zu haben, ob man nicht interessiert sei, Gespräche zu führen. Barrois sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Das kam total überraschend. Aber wenn so eine Option besteht, beschäftigt man sich natürlich damit.“ Eine wichtige Rolle beim Engagement von Fan spielte auch Patrick Franziska, der Spitzenspieler des FC Saarbrücken und des deutschen Nationalteams. Er kannte Fan von vielen Turnieren auf dieser Welt: „Ich habe immer aus Spaß zu ihm gesagt, wenn er irgendwann mal Lust hat, nach Deutschland zu kommen, soll er sich melden.“ Und Fan hatte offenbar Lust auf Europa, das er sehr schätzt. Er besuchte schon vor dem Engagement in Saarbrücken Modeschauen in Mailand und Fußballspiele in Madrid.

So wurde aus dem Spaß Wirklichkeit. Seit Beginn der Saison spielt Fan für den FC Saarbrücken in der Bundesliga und der Champions League. „Einen Spieler dieser Güte hatten wir wahrscheinlich noch nie in der Liga“, schwärmt Andreas Preuß, Aufsichtsratsvorsitzender der TTBL (Tischtennis-Bundesliga). Fan ist aber nicht permanent in Saarbrücken, sondern nur phasenweise. Seinen ersten Einsatzblock hatte er von Ende August bis Anfang Oktober. Anfang Dezember kam er zum zweiten Einsatzblock nach Europa gejettet. Zwischendurch spielte er in China, wo er bei den National Games im November zwei Titel holte. In seinem Heimatland ist Fan eine große Nummer. Im tischtennisverrückten China ist er so berühmt und umlagert wie hierzulande die Fußballstars. Dabei ist Fan eher ein zurückhaltender Mensch, „ein scheuer Superstar“ , wie Barrois sagt. Aber seinen chinesischen Fans entkommt er auch im fernen Deutschland nicht. Es gibt doch tatsächlich Fans von Fan, die aus China

zu den Spielen des FC Saarbrücken anreisen. So auch am vergangenen Sonntag zum Spiel gegen die TTF Ochsenhausen, das die Saarbrücker mit 3:0 gewannen. Ein Sieg steuerte auch Fan Zhendong bei, der von seinen vielen chinesischen Fans gefeiert wurde.

Info: Hier ein Video vom Spiel gegen Ochsenhausen am vergangenen Sonntag: https://at.video.search.yahoo.com/yhs/search?fr=yhs-trp-018&ei=UTF-8&hsimp=yhs-018&hspart=trp&p=ochsenhausen+saarbr%C3%BCcken+tischtennis&type=Y143_F163_225899_091823#id=1&vid=52a13afe3a9aa34839f9a80816c315f2&action=click

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