Wie positionieren sich die EU und deren Mitgliedsländer angesichts der zunehmenden Rivalität zwischen den beiden Großmächten China und den USA? Diese Frage versucht ein umfangreicher Report des European Think-tank Network on China (ETNC) zu beantworten. In dem Report „Quest for Strategic Autonomy?“ berichten Autoren aus 22 Ländern Europas – von Schweden bis Portugal – wie sich in ihren Ländern das Verhältnis zu den USA und China entwickelt hat. Für Deutschland sind das die beiden Merics-Mitarbeiter Bernhard Bartsch und Claudia Wessling. In dem einleitenden Artikel beobachten Mario Esteban und Cristian de Esperanda eine „increasing convergence around the idea that Europeans should reduce their reliance on external powers.” Das Konzept einer strategischen Autonomie Europas gewinne zunehmend an Bedeutung. Aber die einzelnen Länderberichte zeigten auch deutlich, wie unterschiedlich die EU-Länder die USA und vor allem China einschätzen. Die baltischen Staaten sowie auch Dänemark, Schweden und die Tschechische Republik gehörten zu dem sehr China-kritischen Lager, während Portugal, Spanien und Ungarn eine eher differenzierte China-Politik betrieben. Angesichts dieser Meinungsvielfalt fällt es schwer, an die Möglichkeit einer gemeinsamen China-Politik in der EU zu glauben.
Info:
Den 268-Seiten-Report ”Quest for Strategic Autonomy?“ kann man hier herunterladen: https://merics.org/en/report/quest-strategic-autonomy-europe-grapples-us-china-rivalry