Die Provinz Sichuan liegt tief im Westen Chinas. Eine Gegend, die von Taifunen verschont bleibt. Die Bewohner dort kennen diese gefährlichen Stürme nur aus dem Fernsehen. Doch manchen im fernen Westen reizt es, einem solchen Naturereignis beizuwohnen. Jetzt hat man die Möglichkeit, einen Taifun zu erleben, ohne patschnass oder vom Winde verweht zu werden. Dazu muss er allerdings nach Hangzhou fahren. Dort gibt es seit September 2024 die Lvxing Base. Auf rund 200 000 Quadratmetern wird dort ein Taifun simuliert mit wirklichkeitsnahen Windgeschwindigkeiten und horrenden Regenfällen, Erdrutsche inklusive. Der Eintritt in die Naturkatastrophe kostet 899 Yuan. Dabei beobachtet man das Spektakel nicht etwa hinter Glas, sondern steht in Schutzkleidung und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen am Rande des Taifuns. “I don’t deny that many people come because they want excitement”, sagt Geschäftsführer Wang Kuanghan gegenüber The Guardian, “they want to see what this place is like, what a real typhoon and torrential rain feel like, and whether they themselves can withstand it. Most of our individual customers are between 20 and 30 years old.”
Wang ist mit seiner Base in Hangzhou so erfolgreich, dass er in den nächsten drei Jahren fünf weitere solcher Katastrophencenter plant. Darin will er auch Erdbeben und Feuerbrände simulieren. Solche Simulationszentren gibt es auch bereits in Beijing und Guangzhou. Diese dienen einerseits der Unterrichtung im Umgang mit Katastrophen (deshalb haben die Behörde keine Einwände gegen diese Spektakel), andererseits sind sie aber auch Orte makabrer Unterhaltung und damit Teil eines neuen Trends des sogenannten Dark Tourismus. Darunter versteht man den Besuch von Orten des Todes, des menschlichen Leidens und von Katastrophen. Solche Orte hat China einige zu bieten. Die wichtigsten sind:
- The Memorial Hall oft he Victims in Nanjing Massacre. In ihr wird an das Massaker von Nanjing 1937 erinnert, bei dem japanische Truppen nach chinesischen Angaben binnen kurzer Zeit rund 300 000 Militärs und Zivilisten umgebracht haben. Der Eintritt ist frei, man muss sich aber vorher online anmelden.
- Unit 731 Museum in Harbin. Während des Zweiten Weltkrieges hattenhier das japanische Militär ein Labor, in dem die Entwicklung biologischer Waffen stattfand und wo sie an Menschen getestet wurden.
- Mao Zedong Mausoleum. Es wurde 1976, nur ein Jahr nach Maos Tod, auf dem Platz des Himmlischen Friedens von dem Architekten-Ehepaar Liang Sicheng und Lin Huiyin errichtet. In dem 57 000 Quadratmeter großen Mausoleum ruht bis heute der einbalsamierte Gründer der Volksrepublik. Der Eintritt ist frei, aber lange Warteschlangen garantiert.
- Beichuan County. Dort war das Epizentrum des verheerenden Erdbebens von 2008 in Sichuan mit 69 000 Toten. Allein 15 000 gab es in Beichuan, wo 80 Prozent aller Gebäude zerstört wurden. Darunter war auch die Beichuan Mittelschule, in der über 1000 Schüler und Lehrer begraben wurden.
Info:
Artikel in The Guardian über die Lvxing Base in Hangzhou: https://www.theguardian.com/world/2026/oct/17/china-tourists-fake-typhoon-experience-dark-tourism –