WER WAS WO

Kylian Mbappé (27), französischer Fußballstar in Diensten von Real Madrid, hat ein Eigentor geschossen. In einer Online-Talkshow machte er sich über einen chinesischen Diktator – er meinte wohl Mao Zedong – lustig. Das gilt in China immer noch als Majestätsbeleidigung. Mehrere seiner chinesischen Sponsoren – darunter die Lebensmittelhersteller Dongpeng und Mengniu sowie die Online-Plattform Xiaohongshu – reagierten sofort und kündigten die Sponsorenverträge. Mbpappé entschuldigte sich umgehend in den drei Sprachen Französisch, Chinesisch und Englisch („I apologize to everyone my words have upset. This was absolutely not my intention. I have deep respect for the Chinese people and the history, and I am sincerely sorry“), doch der Shitstorm war längst über den Stürmer geschwappt und verursachte weitere Wellen: Chinesische TV-Sender wollen keine Spieler der spanischen LaLiga mehr übertragen, woraufhin LaLiga-Präsident Javier Tebas Medrano beim chinesischen Botschafter in Madrid vorstellig wurde.

Gerhard Schröder (82), ehemaliger Bundeskanzler, hat die deutsche Öffentlichkeit binnen weniger Tage zweimal überrascht. Kurz nachdem er in Moskau dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seine Aufwartung gemacht hatte, zeigte er sich wenige Tage später ein paar tausend Kilometer ostwärts. In der Retortenstadt Xiong‘an nahm er an einem Forum zur internationalen Ordnungsgestaltung teil. Dort marschierte er Seite an Seite mit Außenminister Wang Yi ein und nahm in der ersten Reihe Platz. Seine mitreisende Gattin saß eine Reihe dahinter.

Nathan Chen (17), eines der größten chinesischen KI-Talente, verlässt China und geht in die USA. Chen arbeitete bis vor kurzem bei Moonshot AI in Beijing, wo er maßgeblich an der Entwicklung von Kimi 3 mitwirkte. Doch nach nur knapp einem Jahr bei Moonshot kündigte er dort. Das sei die beste Zeit seines Lebens gewesen, ließ er auf X verlauten. Nun wechselt er zu Discovery Loop, einem amerikanischen Startup, das erst vor zwei Monaten von ehemaligen Google-Mitarbeitern gegründet wurde. Auch Anthropic soll um den 17-jährigen Chen gebuhlt haben. Interessant wird sein, ob und wie sich Chinas Behörden verhalten, die zunehmend die Strategie verfolgen, Know-How im eigenen Land zu behalten.

Jeff Zhang ist neuer Präsident von Audi China. Er löst Johannes Roschek ab, der zurück nach Ingolstadt beordert wurde. Zhang zur Seite stehen wird künftig Rolf Michl als COO. Die beiden sollen das Steuer bei Audi in China herumreißen, denn dort gehen die Absatzzahlen seit Jahren dramatisch zurück. Audi wird dieses Jahr in China wohl gerade noch so viele Autos verkaufen wie 2012. Zhang war zwischen 2018 und 2020 schon mal bei Audi. Davor und danach arbeitete er bei Nissan und Stellantis sowie zuletzt beim chinesischen Konkurrenten Chery. Zhang ist sich der schweren Aufgabe bewusst. Auf Linkedin schrieb er: „I‘am under no illusion about the challenge ahead.“ China sei wahrscheinlich der wettbewerbsintensivste Automarkt der Welt. Aber er sei „ready for the challenge“.

Gerrit Braun (58), Gründer und Betreiber der Touristenattraktion Wunderland in der Hamburger Hafencity, hat Ärger mit einem Auto aus China. Der „absolute Autonarr“ hat sich einen Audi gekauft, der in China produziert wird: den Audi E5 Sportback. Dieses E-Auto fällt nicht nur wegen seiner 800 PS auf, sondern wegen seines Outfits. Vorne am .. sind nämlich nicht die obligatorischen vier Audi-Ringe zu sehen, sondern die Initialen A-U-D-I. Dieses Modell wird nur für den chinesischen Markt hergestellt. Das soll auch so bleiben. Deshalb leitete Audi gegen den Importeur China Auto, von dem Braun sein Gefährt bezogen hat, rechtliche Schritte ein.

Dennis Tao (50) ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Sportartikelherstellers Puma. Tao arbeitet für den chinesischen Sportartikelkonzern Anta, der inzwischen Großaktionär von Puma ist. Anta hatte für rund 1,5 Milliarden Euro einen Anteil von 29 Prozent an der Puma SE erworben. Tao gilt als erfahrener Branchenkenner. Von 2019 bis 2026 war er im Verwaltungsrat von Amer Sports, dem finnischen Sportartikler (Marken: Atomic, Salomon, Wilson), der ebenfalls zum Imperium von Anta gehört. Mit Jeanne Huang zieht zudem eine weitere Anta-Managerin in den Puma-Aufsichtsrat ein.

Jörg Wuttke (68), nach jahrzehntelangem Aufenthalt in China nun Berater in Washington, hat sich aus dem Kuratorium des Mercator Institute for China Studies (Merics) nach 13 Jahren verabschiedet. Mit ihm gingen Malin Oud and Maurice Gourdault-Montagne. Für die drei Ausgeschiedenen sind neu in dem Gremium: Sylvia Schwaag Serger (Präsidentin der Königlichen Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften), Markus Kerber (Managing Partner, 1886 Technologies und ehemaliger BDA-Geschäftsführer) und Jens Eskelund (Präsident der European Union Chamber of Commerce in China).

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