FAZ-Korrespondent erklärt Chinas Wirtschaftsmodell

Viele – gerade auch in der ökonomischen Zunft – gehen von einer falschen Vorstellung des chinesischen Wirtschaftsmodells aus. Sie glauben immer noch standhaft, China sei eine zentrale Planwirtschaft. Sie gehen davon aus, dass die Zentrale in Beijing Richtung und Ziele vorgebe und alle, alle folgten. Gegen diese Vorurteile hat Gustav Theile, Wirtschaftskorrespondent der FAZ in Shanghai, ein starkes Meinungs-Stück („Chinas erbarmungsloser Kapitalismus“) in seiner Zeitung (23. Oktober) geschrieben. „Der westliche Blick auf die Volksrepublik leidet an einer oberflächlichen, übermäßig zentralstaatlich fokussierten Betrachtung Chinas.“ Dieser Blick überschätze systematisch die Entscheidung zentralstaatlicher Richtungsentscheidungen, und unterschätze im Gegenzug, was das chinesische Wirtschaftssystem überhaupt dynamisch mache, nämlich der Förderalismus und der Wettbewerb der Regionen und Provinzen. Chinas Erfolg rühre zuallererst daher, dass das Land Wettbewerb gutheißt, fördert und produktiv nutzt. Wettbewerb gebe es an den Schulen und Universitäten, zwischen den Unternehmen und auch in der Politik, „wo die Parteisekretäre von der Personalabteilung der Kommunistischen Partei nach ihren Leistungen beurteilt werden“. Allerdings verhehlt Theile die Schattenseiten dieses gnadenlosen Wettbewerbs nicht – Verschwendung von Geldern in den Provinzen, Korruption der Kader und Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung.

Theile wendet sich mit seinem Artikel auch an Stimmen in Europa, die nach chinesischem Vorbild einen stärker steuernden Staat und eine aktive Industriepolitik fordern. Es mute grotesk an, „wenn Europa aus dem Aufstieg Chinas den Schluss zieht, noch mehr staatliche Kontrolle und noch mehr Begrenzung des Wettbewerbs seien die Lösung für Europa. Im modernen China herrscht ein viel erbarmungsloserer Kapitalismus als auf dem alten Kontinent.“

Info:
Hier der Artikel von Gustav Theile in der FAZ (hinter der Bezahlschranke): https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/antwort-auf-tom-krebs-und-isabella-weber-chinas-erbarmungsloser-kapitalismus-accg-201610723.html

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