Wissenschaft: Wie mit China umgehen?

Viele Chinesen studieren und forschen an deutschen Hochschulen sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Politik sieht das zunehmend kritisch. Aber können wir uns ein wissenschaftliches Abkoppeln von China überhaupt leisten?

Soeben veröffentliche der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) die Studie „Wissenschaft weltoffen“. Darin ist umfangreiches Datenmaterial über Studierende und Wissenschaftler zu finden, die außerhalb ihres Heimatlandes studieren, forschen und lehren. Im Vorwort stellen Kai Sicks (DAAD) und Marcus Beiner (DZHW) einen klaren Trend fest: „Die Internationalisierung von Studium und Forschung hat in den vergangenen Jahren weiter an Dynamik zugenommen.“ So waren 2023 rund 7,3 Millionen Studierende außerhalb ihres Heimatlandes eingeschrieben. Die beiden größten Gruppen bildeten Chinesen (1 030 000) und Inder (834 000).

Auch in Deutschland sind diese beiden Gruppen unter den ausländischen Studierenden am stärksten vertreten, doch liegen hierzulande inzwischen die Inder vor den Chinesen. Bis zum Wintersemester 2022/23 bildeten die Chinesen die größte ausländische Gruppe, doch dann wurden sie von den Indern abgelöst. Ihr Anteil an den insgesamt 423 000 ausländischen Studierenden in Deutschland beträgt 10,1 Prozent, der Anteil der Chinesen 8,9 Prozent. In absoluten Zahlen waren das 37 655 chinesische Studierende (die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2023). 

Auch bei den ausländischen Wissenschaftlern in Deutschland liegen die Asiaten vorn (und da sind vor allem Chinesen und Inder gemeint). Rund 35 Prozent der in Deutschland lehrenden und forschenden Wissenschaftler kommen aus Asien, aus der EU sind es etwas mehr als 33 Prozent. Die Zahl der chinesischen Wissenschaftler an deutschen Hochschulen hat sich zwischen 2019 und 2024 um 52 Prozent auf 5100 erhöht. Auch bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist der chinesische Anteil hoch. So sind bei der Max-Planck-Gesellschaft nach Aussage ihres Präsidenten Patrick Cramer von den insgesamt rund 11 000 Forschenden rund 1800 aus China.

In Deutschland hat angesichts dieser Zahlen und dem politischen, nicht gerade China-freundlichen Klima schon seit längerem eine Diskussion begonnen, wie mit diesen chinesischen Studierenden und Wissenschaftlern in Deutschland umzugehen sei. Es wird befürchtet, dass dadurch viel Wissen abfließt. Manche – wie zum Beispiel die ehemalige Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger vermutete sogar hinter chinesischen Studierenden Spione.

Auch Forschungskooperationen deutscher Hochschulen und außeruniversitärer Forschungsinstitute mit chinesischen Partnern kommen zunehmend in die Kritik. Zuletzt stand das Helmholtz-Institut CISPA unter Verdacht, doch konnte ein KPMG-Gutachten keine Unregelmäßigkeiten nachweisen. An vielen Hochschulen ist man verunsichert und vorsichtig geworden. Im Zweifelsfall verzichtet man lieber auf eine Kooperation mit Chinesen.

„Vor diesem Hintergrund braucht es wenig Phantasie, um in den nächsten Jahren nun auch in Deutschland einen Rückgang bei den chinesischen Forschenden und Studierenden zu fürchten“, schreibt der renommierte Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda in seinem Blog. Für ihn eine gefährliche Entwicklung, denn Deutschland und Europa können es sich „schlicht nicht leisten, auf enge Bande mit der künftigen Wissenschaftsnation Nummer Eins zu verzichten“. Und dann stellt er eine sehr interessante rhetorische Frage: „Müssten sich nicht inzwischen die Chinesen viel mehr Sorgen machen, dass bei wissenschaftlicher Kooperation Wissen nach Deutschland und Europa abfließt und nicht umgekehrt?“

Info:

Studie „Wissenschaft weltoffen 2026“: https://www.wissenschaft-weltoffen.de/content/uploads/2026/10/WWO_2026_web.pdf

Blog von Jan-Martin Wiarda: https://www.jmwiarda.de/blog/2026/10/19/die-angst-vor-china-und-der-wert-des-austauschs

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