Der chinesische Cosco-Konzern wollte eine kleine Hamburger Spedition kaufen. Das Bundeskartellamt sagte Ja zu der Übernahme. Nun hat die Bundesregierung den Deal gestoppt. Sie hat Sicherheitsbedenken.
Die Hamburger Spedition Zippel ist eine relativ kleine Spedition. Ihr Geschäftsführer Axel Plaß schätzt ihren Marktanteil hierzulande auf überschaubare rund 1,5 Prozent. Und trotzdem macht dieses kleine Transportunternehmen große Schlagzeilen. Denn der chinesische staatliche Logistikkonzern Cosco wollte 80 Prozent des 1876 gegründeten Hamburger Traditionsunternehmens übernehmen. Wieder einmal Cosco, werden jetzt manche Beobachter sagen. Denn Cosco stand vor vier Jahren schon einmal im Mittelpunkt einer politischen Debatte in Deutschland. Damals wollte das Unternehmen eine Beteiligung an dem Containerterminal Tollerort im Hamburger Hafen erwerben. Es gab eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit und auch in der damaligen Ampel-Bundesregierung, ehe am Schluss sich der Kanzler Olaf Scholz durchsetzte und das Kabinett eine 24,9-Prozent-Beteiligung von Cosco an dem Terminal erlaubte.
Diesmal aber entschied am Mittwoch das Kabinett gegen eine Beteiligung von Cosco an Zippel. Zwar hat das Bundeskartellamt Ende Februar die Übernahme von Zippel durch Cosco genehmigt, weil es nur wirtschaftliche Argumente wertete. Kartellamtschef Andreas Mundt erklärte damals: „Cosco transportiert im Wesentlichen Container auf dem Seeweg, während Zippel den Weitertransport der Container von den Seehäfen ins Binnenland organisiert. Die Unternehmen sind damit auf unterschiedlichen Ebenen der Transportkette tätig und stehen nicht in unmittelbarem Wettbewerb zueinander.“
Doch da war noch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Es leitete ein sogenanntes Investitionsprüfungsverfahren ein. In diesem Verfahren sollten mögliche negative Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf die „öffentliche Ordnung oder Sicherheit“ Deutschlands untersucht werden. Oft ist dies eine Routineuntersuchung, aber im Falle Cosco-Zippel nicht. Es gab Bedenken, vor allem von Seiten des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Sie wurden schon im April geäußert. Die Verfassungsschützer sorgten sich um die „kumulativen Erwerbsvorhaben“ von Cosco in Deutschland und Europa und warnten vor einem strategischen Ausbreiten der chinesischen Reederei, die sich bereits in mehreren Ländern Europas eingekauft habe.
Daraufhin haben sich fünf Ministerien – neben dem BMWE auch das Außen-, Innen-, Verteidigungs- und Finanzministerium gegen die Übernahme ausgesprochen. Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeit, die „im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“, heißt es in einem Papier der fünf Ministerien. Mit Zippel könnte Cosco seinen Einfluss von der Seeseite des Hamburger Hafens weiter in den deutschen Hinterlandsverkehr ausdehnen. Dazu muss man wissen, dass das Geschäftsmodell von Zippel ist, in seinen grünen Lkws Waren und Container vom Hamburger Hafen in das Umland zu transportieren – vor allem in Deutschlands Osten. Diese Position in den Verkehrsströmen Richtung Ost-Deutschland mache das Unternehmen sicherheitspolitisch relevant, zitiert das Handelsblatt aus dem Papier.
Den Bedenken der fünf Ministerien hat sich nun das gesamte Bundeskabinett angeschlossen und die Übernahme am Mittwoch untersagt. Geschäftsführer Axel Plaß nahm den Beschluss zur Kenntnis und reagierte gelassen: „Wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht und halten unsere unternehmerische Entscheidung nach wie vor für richtig.“
Info:
Die Genehmigung durch das Bundeskartellamt: https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2026/02_20_2026_Cosco_Zippel.html
Hier ein Artikel zum Fall Cosco-Zippel in Eurotransport: https://www.eurotransport.de/logistik/spedition-und-logistik/cosco-zippel-uebernahme-bundesregierung-sicherheitsbedenken/