WIRTSCHAFT I Dem „new trio“ folgt das „new, new trio“

In Chinas Exportwirtschaft wechselt ein Trio das andere ab. Erst dominierte das alte Trio (Bekleidung, Möbel und Elektrogeräte). Dann kam das neue Trio (E-Autos, Batterien, Solarpanel). Und nun folgt das neue, neue Trio: KI, Roboter und Arzneimittel.

Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde in China ein neuer Begriff geboren: „the new trio“. Darunter verstand man drei Branchen, in denen China besonders exportstark war und die den chinesischen Exportboom der vergangenen Jahre erklären sollten. Die drei Bereiche waren: Elektroautos, Batterien und Solarpanels. Das waren in der Tat die drei Branchen, die das chinesische Exportwachstum in der ersten Hälfte der 2020er Jahres maßgeblich prägten. Sie lösten „the old trio“ ab, das seit den 90er Jahren Chinas Exportboom bildete: Bekleidung, Möbel, Elektrogeräte.

Doch nun in der Mitte dieses Jahrzehnts wird das „new trio“ von einem anderen neuen Trio abgelöst: dem „new, new trio“. Und das besteht aus den drei Bereichen: Künstliche Intelligenz, Robotik und innovative Arzneimittel. Über diesen schleichenden Wechsel schreiben Zhou Zhou und Jiang Jiang in einem Artikel für den Blog Beijing Scroll. Dessen Überschrift lautet: „China’s New New Trio Is Moving Beyond Containers“. Als Beweis nennen die Autoren die stark gestiegenen Exportzahlen in diesen drei Branchen. So seien zum Beispiel die Ausfuhren von Industrierobotern in der ersten Jahreshälfte um 18,6 Prozent gestiegen. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz sei das Unternehmen Moonshot mit seinem Kimi K-3 Modell im Ausland sehr erfolgreich. Außerdem seien chinesische Produkte der KI-Supply-Chain wie zum Beispiel optical transciever sehr gefragt. Auf den Exportboom bei diesen Produkten ging kürzlich auch ein DGAP-Policy Brief ein. Dort beschreiben Michael Laha und Valentin Weber, wie China zunehmend in die Supply Chain bei KI-Produkten einsteigt und dort mitmischt.

Dass China bei KI und Robotik weltweit mit an der Spitze steht, ist inzwischen den meisten bekannt. Weniger bekannt ist hingegen die Tatsache, dass China in der dritten Branche „des new new trio“ extrem aufgeholt hat – in der Pharmabranche.

Inzwischen schauen viele westliche Pharmakonzerne – von Merck über Novartis bis Pfizer – nach China und schließen Lizenzverträge mit innovativen chinesischen Herstellern. Allein im ersten Halbjahr 2026 sollen Lizenzverträge im Wert von über 100 Milliarden Dollar abgeschlossen worden sein. Als innovative chinesische Partnerunternehmen sind vor allem vier Pharmakonzerne begehrt: Hengrui Pharmaceuticals, Hansoh Pharma, Innovent Biologics und WuXi Apptec. Die chinesische Pharma- bzw. Biotechindustrie ist der rising star in dem neuen, neuen Trio.

Das bestätigt auch ein Artikel des Beratungsunternehmen Trivium China, das sich ebenfalls mit der „new catchphrase“ des new new trio beschäftigt. Es verweist ebenfalls darauf, dass in allen drei Bereichen die Exporte im ersten Halbjahr deutlich gestiegen seien. Doch dann folgt ein dreifaches Aber: „But, but, but: At around 67 billion $, the new new three accounted for only 2,3 per cent of China´s total exports in H1, meaning they are too small to materially driver the overall export trajectory”.

Das neue neue Trio ist also noch davon weit entfernt der Wachstumstreiber im Export zu sein. Aber unterschätzen sollte man es deswegen nicht, denn alle drei Bereiche sind wichtiger Bestandteil der High-Tech-Strategie der chinesischen Regierung und bekommen entsprechende staatliche Unterstützung.

Info:

Der Artikel in Beijing Scroll: https://www.beijingscroll.com/p/chinas-new-new-trio-is-moving-beyond

Und der DGAP-Policy Brief 12/2026 von Michael Laha und Valentin Weber. „Marginalizing Europe – How China Is Building Compute at Home and Exporting It”: https://dgap.org/en/research/publications/marginalizing-europe

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