Wie junge Chinesen im Silicon Valley bei KI dominieren

In Los Altos im Silicon Valley steht das sogenannte Facebook House, in dem einst vor 20 Jahren Mark Zuckerberg lebte und sein Unternehmen startete. Der Multi-Milliardär ist längst ausgezogen und wohnt jetzt in Palo Alto. Doch der Gründergeist schwebt immer noch über diesem Gebäude. Nur, dass dort jetzt überwiegend Chinesen wohnen. Elvis Wu und Dawei Shi haben das Haus 2023 gemietet. Es ist inzwischen eine Art Keimzelle der chinesischen Gründerszene im Silicon Valley. Hier trifft sich die Chinese Entrepreneur Organisation (passendes Kürzel: CEO). Hier schauen wichtige Leute aus China vorbei – die Mitgründer von Xiaomi oder Xiaohongshu zum Beispiel, oder Professoren der Beida oder Venture Capitalisten aus China.

Über diese chinesische Szene im Silicon Valley hat die Journalistin Viola Zhou eine sehr empfehlenswerte Reportage geschrieben. Ihr Titel: „The Chinese Whiz Kids of Silicon Valley”. Zhou hat sich ein paar Tage im Facebook House eingemietet und sich so Zugang zu dieser Szene verschafft, die eher als verschwiegen gilt – erst recht gegenüber Journalisten.

Chinesen gibt es im Silicon Valley schon lange, seit den 90er Jahren. Meist haben sie an der Stanford Uni studiert und sind dann nach dem Studium bei den vielen Startups im Silicon Valley hängen geblieben. Doch ihre Rolle hat sich inzwischen verändert. Zhou zitiert die Investorin Christine Qing: „In the software era, Chinese engineers played supporting roles, in the AI era, they´re taking center stage.“ Sie sind nicht mehr die Zuarbeiter von einst, sondern die Macher an vorderster Front. In der KI-Szene sind vor allem mathematische Genies gefragt. Und von denen gibt es in China genug.

Zum Beispiel Carina Hong (24). Sie wuchs in Guangzhou auf, beschäftigte sich schon als Teenager mit Zahlentheorie und nahm an Mathe-Olympiaden teil. Später studierte sie am MIT und in Stanford, und gründete danach das KI-Startup Axiom, das inzwischen 1,6 Milliarden Dollar wert ist. Oder Tim Shi (29). Er gehörte der elitären Yao Class an der Tsinghua Universität in Beijing an, ehe er in Stanford promovierte. Danach arbeitete er kurz bei OpenAI, ehe er Cresta gründete. Inzwischen investiert er in weitere KI-Firmen, darunter auch Anthropic.

Diese Beispiele sind keine Einzelfälle. Viele Chinesen gehören zu den Mitgründern von KI-Startups im Silicon Valley, unter anderem auch bei Elon Musks xAI. Als Mark Zuckerberg sein Superintelligence Lab startete, waren von den elf ersten Mitarbeitern sieben aus China, darunter der Chief Scientist. Warum Chinesen gerade bei KI so gefragt sind, erklärt Viola Zhou so: „The development of AI systems required the exact combination of mathematical reasoning and the relentless willingness to grind that they had developed in school.”

Und dann berichtet sie noch von der NeurIPS, der weltgrößten Konferenz der KI-Forscher in San Diego, wo Chinesen dominierten: „Mandarin was spoken as often as English.“ Sie zitiert Jonathan Li, der in einem Startup arbeitet: „Chinese ist he language of AI.“ Die gefragten chinesischen KI-Experten verdienen viel, manche sehr viel  Geld – von 500 000 bis 50 Millionen Dollar. Viele investieren ihr Geld in weitere KI-Unternehmen. Sie sind fast alle bestrebt, den FIRE Status zu erreichen. Das Kürzel FIRE bedeutet: Financial Independence, Retire Early.

Ihnen ist klar, dass ihre Jobs nicht sicher sind. So sagte ein Forscher in einem KI-Startup: „We are not doctors or lawyers who will earn their money for life. We may be unemployed in two years, or at best, within five to ten years.”

Info:

Hier die sehr empfehlenswerte Reportage von Viola Zhou in The World of Chinese: https://restofworld.org/2026/chinese-ai-researchers-silicon-valley/

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