GESELLSCHAFT I Chinesische Männer auf Frauensuche im Ausland

Das Phänomen ist nicht neu, aber gewinnt zunehmend an Bedeutung und Beachtung: die Ära der leftover men (shengnan shidai, 生 男 失 呆). Darunter versteht man chinesische Männer, die Schwierigkeit haben, eine Frau zu bekommen. Diese Entwicklung hat vor allem mit der Demographie Chinas zu tun. Es gibt infolge der Ein-Kind-Politik, die zur (illegalen) Abtreibung vieler Mädchen führte, einfach zu viele Männer.  Der Männerüberschuss beträgt derzeit rund 35 Millionen. Sie werden in China keine Frau finden – und suchen deshalb im nahen, aber auch fernen Ausland.

Sim Tze Wei, der Beijing-Korrespondent von Lianhe Zaobao (der größten chinesischsprachigen Tageszeitung aus Singapur) hat gerade in ThinkChina ein sogenanntes Big Read zum Thema veröffentlicht: „From Egypt to Russia – Chinese Men Looking Overseas for Love“. Darin beschreibt er drei transnationale Ehen, die chinesische Männer mit Frauen aus Ägypten, Indonesien und Russland geschlossen haben.

Er schreibt einleitend, dass sich der Trend gedreht habe. 2018 hätten noch mehr chinesische Frauen ausländische Männer geheiratet. Heute dominieren dagegen die chinesischen Männer, die ihr Eheglück im Ausland suchen. Bei über 70 Prozent der cross-border marriages sei inzwischen der männliche Part aus China. Offizielle Statistiken gibt es nicht. Es wird aber geschätzt, dass bei zwei Prozent der in China geschlossenen Ehen ein ausländischer Partner dabei ist. Nach einer Umfrage des Online-Portals Bilibili sind die zehn beliebtesten Länder, in denen chinesische Männer ihre Ehefrauen suchen, die folgenden: Vietnam, Nordkorea, Russland, Myanmar, Philippinen, Japan, Kambodscha, Südkorea, Indonesien und Thailand. Fast alle Länder liegen also in Asien. Danach folgen aber auch einige afrikanische Länder, unter anderem Ägypten.

Wang Xing (30) heiratete im April 2025 die Ägypterin Mennatella Ashraf Abbas (22). Wang hatte genug von den anspruchsvollen chinesischen Frauen, „who would require him to buy a flat or pay an exorbitant bride price.” Er machte eine Rechnung auf. Die Heirat mit einer Chinesin hätte ihn rund 300 000 Yuan (ohne Wohnung und Auto) gekostet, die mit seiner ägyptischen Gattin dagegen nur 100 000 Yuan, darunter auch ein Brautgeld, das aber wesentlich niedriger war als das, was er in China hätte zahlen müssen. Sie haben sich online kennengelernt und leben inzwischen in einem Industriepark in Jinhua (Zhejiang). 

Ein niedriges Brautgeld musste auch Lu Zhenliang (29) für seine indonesische Frau Tasha Sahinah (22) zahlen, nämlich exakt 20 Millionen Rupiah (1186 Dollar). Er lernte Tasha auf der indonesischen Insel Batam kennen, wo sie an der Rezeption eines Hotels arbeitete. In Indonesien sind chinesische TV-Serien und TikTok sehr populär. Über dieses Kanäle erfahren Indonesierinnen und Indonesier viel über China. „In TikTok many short videos positively portraying China´s economic development”, sagt Professor Xue Song, Indonesien-Spezialist am Institute of International Studies an der Fudan Universität. Viele Indonesier würden deshalb Chinesen als reich betrachten. Dies ist ein Phänomen, das man auch in anderen Staaten des Globalen Südens feststellen kann. Viele Frauen dort sehen den chinesischen Wohlstand und entsprechend chinesische Männer als eine gute Partie.

Das dritte Beispiel ist eine chinesisch-russische Ehe. Daria Evdokimova (26) und Gao Shikui (34) haben sich während eines Online-Sprachkurses kennengelernt. Sie hat sich schon früh für China und die Sprache interessiert, auch weil ihr Vater an der russisch-chinesischen Grenze stationiert war. Diese Ehe ist eher eine Partie unter Gleichen. Beide haben studiert und wohnen in Ningde (Fujian).

Den russisch-chinesischen Ehen widmet sich ein vor kurzem erschienenes Buch von Elena Barabantseva, die an der University of Manchester lehrt. Sie hat in ihrem Buch, das als Open Source verfügbar ist, viele dieser gemischten Ehen untersucht. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis. „My analysis shows that the China dream of global power is projected onto the bodies of Slavic women from the former Soviet republics, who are routinely idealised as ideal foreign wives for Chinese men.”

Info:

Artikel in ThinkChina: https://www.thinkchina.sg/society/big-read-egypt-russia-chinese-men-looking-overseas-love?ref=home-popular-this-month

Das Buch: Elena Barabantseva: Post-Soviet Brides in the China Dream, Cambridge University Press, 246 Seiten.  

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