Stanford Uni darf Tagebücher des Mao-Sekretärs behalten

Das Hoover Institute an der Stanford University darf die Tagebücher des ehemaligen Mao-Sekretärs Li Rui behalten. Das hat am 31. März der U.S. District Court for the Northern District of California in Oakland entschieden. Damit endet ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der renommierten Universität und Zhang Yuzhen, der in China lebenden Witwe von Li Rui.

Es ging um 40 Kisten voll mit Tagebüchern, Fotos, Schriftstücken und anderen Erinnerungen. Sie lagerten im Hoover Institute an der Stanford University. Geschrieben und gesammelt hat sie Li Rui, der von 1917 bis 2019 lebte. Er schloss sich als junger Idealist der Kommunistischen Partei Chinas an, wurde 1958 persönlicher Sekretär Mao Zedongs, in der Kulturrevolution verfolgt, 1976 rehabilitiert und stieg danach in der Parteihierarchie wieder auf. Er zählte in der Folgezeit zu den wichtigen Sprechern des liberalen und reformorientierten Flügels der KP, ehe er wieder in Ungnade fiel. Li hatte also viel zu erzählen, darunter sicher einige Interna über das Innenleben der KP. 

Lis Witwe Zhang Yuzhen (95) versuchte zu verhindern, dass die Stanford University im Besitz der 40 Kisten bleibt und möglicherweise Passagen aus den Papieren veröffentlicht. An die Uni übergeben wurden die Kisten übrigens von Lis Tochter Li Nanyang, die in den USA lebt. Sie hat die Papiere transkribiert und katalogisiert. Sie sagt auch, dass es der Wunsch ihres Vaters gewesen sei, dass der Nachlass in den Besitz der Stanford University gelangt. Das zweifelt die Witwe an. Sie reklamiert für sich, dass sie die Besitzerin der Papiere sei. Deshalb klagte sie bereits 2019 vor einem Gericht in Beijing und bekam recht. Nur: Chinesisches Recht gilt nun mal nicht in den USA. Deshalb wurde der Rechtsstreit in den USA fortgesetzt. Die Anwälte der Witwe argumentierten, dass der Nachlass eine private Angelegenheit und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Für die Vertreter der Gegenseite, die Stanford University, war das nur ein vorgeschobenes Argument. Für sie steckt der chinesische Staat dahinter: „By all indications the PRC is running the litigation behind the scenes“ – so werden die Stanford-Anwälte in The Guardian zitiert.   

Im nun gesprochenen Urteil wird die Schenkung an die Hoover Institution vom Gericht als „lawful and in accordance with Li´s wishes“ angesehen. Die derzeitige Hoover-Direktorin und ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice kommentiert das Gerichtsurteil natürlich positiv: “This decision ensures one of the most valuable firsthand accounts on the history of modern China will be freely available for study.” Ihr Stellvertreter Eric Wakin sagt in einer Pressemitteilung: “Li Rui’s collection is one of the most important insider accounts of the history of modern China freely available to researchers. By continuing to provide access to the collection, we honor Li’s wishes, as well as our mission to preserve and provide access to the most important material on war, revolution, and peace in modern times.”

Info:

Hier die Pressemitteilung der Stanford University nach dem Gerichtsurteil: https://www.hoover.org/press/court-rules-li-rui-collection-remain-hoover-institution-stanford-university

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