Am Freitag, den 13. Februar, stiegen Kaiser Kuo und seine Frau Fanfan in ein Flugzeug, das sie von den USA nach China brachte. An sich nichts Besonderes und Mitteilenswertes, denn das taten sie in den vergangenen Jahren öfters. Doch diesmal ist es anders. Diesmal verlassen sie die USA, um sich in Beijing (wieder) niederzulassen. „Going back“ lautet deshalb die Überschrift über einen Blog von Kaiser Kuo vom 10. Februar, in dem er die Gründe nennt, warum die beiden nach Beijing zurückkehren. Bevor ich diese jedoch nenne, muss ich diejenigen, die Kaiser Kuo noch nicht kennen, kurz darüber aufklären, wer dieser Kaiser Kuo eigentlich ist.
Kaiser Kuo (59) ist in den USA aufgewachsen, wechselte aber häufig zwischen den Staaten und China. Er arbeitete hier wie dort. Er war unter anderem Direktor für internationale Kommunikation beim Tech-Konzern Baidu in Beijing. Und er war stets journalistisch tätig. Unter anderem war er Technologie-Korrespondent für das amerikanische Tech-Magazin Red Herring. 2010 startete er in Beijing den Podcast Sinica, der ihn in der weltweiten China-Watcher-Community berühmt machte. In diesem Podcast interviewte er China-Experten aus aller Welt und stellte er mit dunkler rauchiger Stimme kluge Fragen. 2016 zog er wieder mal in die USA, genauer: nach Chapel Hill in North Carolina. Von dort aus betrieb er weiter den Sinica-Podcast, finanziert von der Plattform SupChina, der jedoch im November 2023 das Geld ausging. Kaiser Kuo machte trotzdem weiter, fand einen Partner in der University of Wisconsin-Madison, die ihn unterstützte.
Doch nun nach fast zehn Jahren zieht es ihn und seine Frau wieder zurück nach Beijing. Wenn er auf Abschiedsparties gefragt wurde, warum er das mache, antwortete er manchmal scherzhaft: „I’d rather live under competent, technocratic authoritarianism than under the feckless, stochastic, increasingly fascistic kakistocracy that is the current American administration.“ An dieser Erklärung ist sicher was dran, aber der wahre Grund für den Wechsel ist ein anderer, ein eher profaner: Er hatte einen Deal mit seiner Frau Fanfan gemacht: „We´d raised the kids in the States, and then, once they´d fledged, we´d go back.“ Nun sind die beiden Kinder Genevere und Johnny aus dem Haus. Kaiser Kuo sagt: „The nest is empty, and the deal is the deal.”
So verlassen die beiden nun ihr Heim im ruhigen Chapel Hill. Kaiser Kuo: „The thing about quiet is that you can have too much of it.” In Beijing wartet das Gegenteil auf ihn und seine Frau. Aber er freut sich schon auf seine Rückkehr nach Bejing, wo er sich bestens auskennt. Er freut sich auf das Café Zarah („you‘ll find me there most weekdays“), auf den Gitarrenladen in der Nähe (Kaiser Kuo spielt in der Heavy-Metal-Band Spring & Autumn) und auf die Abende und Nächte in der Golden Weasel Bar („a kind of intellectual salon“).
Aber am meisten freut er sich darauf, dass er endlich wieder China live erleben kann. „I’ve spent more a decade writing and talking about China from 7000 miles away.” Er spricht von einem “imposter syndrome”. Er hörte eine innere Stimme, die zu ihm sprach: “You haven‘t smelled the air, you haven‘t felt the vibe. You don’t know what you’ve talking about anymore.“ Nun wird er wieder mitten drin sein. Er ist neugierig, weil er ein sich veränderndes China erwartet: „I think China is on the cusp of a genuine Chinese renaissance. I can feel it gathering, the way you can feel weather coming before it arrives.”
Info:
Hier der Blog, in dem Kaiser Kuo seinen Wechsel nach China erklärt: https://www.sinicapodcast.com/p/going-back