Vor 90 Jahren endete in Yan’an der inzwischen weltberühmte Lange Marsch. Den kann man im Museum bewundern oder man kann sich selbst auf den Weg machen – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Schnellzug.
Am 22. Oktober 1936 endete der legendäre lange Marsch der Roten Armee mit der Ankunft in Yan‘an in der Provinz Shanxi. Gestartet war die Truppe der Ersten Roten Armee im Oktober 1934 mit rund 80 000 Kämpfern in Rujin, das an der Grenze der Provinz Jiangxi zu Fujian liegt. Rund 10 000 Kilometer legten sie zurück. Dabei kämpften sie mit den Widrigkeiten der Natur, aber auch dem stets lauernden Feind der Kuomintang.
Der Lange Marsch gehört zum Gründungsmythos der Volksrepublik China. Ohne ihn würde es sie nicht geben. So ist es nicht verwunderlich, dass die KP 90 Jahre nach Ende des Langen Marsches diesen entsprechend würdigt – mit einer Ausstellung im Militärmuseum in Beijing. Diesmal werden sogar mehr Relikte und Dokumente gezeigt als zum 70. und 80. Jubiläum. Bei der Eröffnung der Ausstellung am 22. September beschwor Cai Qi, Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros, den Geist des Langen Marsches: „He has become a powerful spiritual force inspiring the Chinese people to overcome difficulties and advance from victory to victory.“
Rund um die Goldene Woche fanden auch an zahlreichen Orten des Langen Marsches Feiern statt. In Guiyang wurde zum Beispiel ein Long March Culture Digital Art Museum eröffnet. Alle diese Aktivitäten sind eingebettet in den sogenannten Roten Tourismus. Er wurde zum ersten Mal im „2004-2010 National Red Tourism Development Plan“ des NDRC erwähnt. Inzwischen gibt es laut Kultur- und Tourismus-Ministerium rund 300 „red tourism classic scenic areas“ in allen Provinzen – außer Tibet. Der rote Tourismus hat unter Xi Jinping deutlich zugenommen, der ihn mit dem Schlagwort der patriotischen Erziehung verbindet. So sagte Xi Jinping schon im Dezember 2012 in Hebei: „Red base areas and patriotic education are one concept. Developing red tourism is another. The two must be coordinated.”
Die Orte entlang des Langen Marsches sind sicher eines der spektakulärsten Ziele des roten Tourismus. Aber nur ein paar Verwegene laufen ihn in voller Länge nach oder fahren ihn mit dem Fahrrad. Die beiden Deutschen Christian Y. Schmidt und Volker Häring haben es getan und darüber ein amüsantes und lesenswertes Buch geschrieben. Dort erfährt man auch viel über den Langen Marsch und die Orte entlang der Strecke. Viereinhalb Monate brauchten sie für ihre Radtour von Rujin nach Yan‘an.
Schneller schafft es ein neuer Schnellzug, der seit kurzem – allerdings auf direktem Wege – von Rujin City nach Yan’an City verkehrt. Der G 3998 benötigt für die 1857 Kilometer lange Strecke nur elf Stunden. Das reicht fast für das Lesen des Buches von Schmidt und Häring – wenn man nicht unterwegs aus dem Fenster schaut.
Info:
Das Buch zum Marsch: Christian Y. Schmidt und Volker Häring: Der lange Fahrradmarsch, Ullstein, 368 Seiten, 19,99 Euro.