Unitree ist einer der erfolgreichsten chinesischen Roboterhersteller. Selbst Bundeskanzler Merz war schon bei ihm zu Besuch. Vater des Erfolges ist der 36jährige Wang Xingxing – ein Arbeitstier und Kontrollfreak, der inzwischen zu den reichsten Chinesen zählt.
Vor dem Büro von Wang Xinxing bilden sich öfters Schlangen. Mitarbeiter haben Fragen und Ideen, die sie mit dem Gründer des Robotikherstellers Unitree diskutieren möchten. Dieser hat zwar offene Ohren für solche Anliegen, ist aber auch extrem ungeduldig. Wer nicht in zwei Sätzen erklären kann, was sein Vorhaben ist, kann das Büro sofort wieder verlassen. Über solche und noch einige andere Marotten des Wang Xingxing hat das investigative Wirtschaftsmagazin Caijing einen interessanten Artikel geschrieben, der von ChinaTalk ins Englische übersetzt wurde. Überschrift: „The King of Unitree“. Der Artikel bietet Einblicke in eines der vielen chinesischen Start-Up-Unternehmen der Robotik, die in den vergangenen Jahren entstanden sind.
Unitree wurde im August 2016 von Wang Xingxing gegründet. Er ist sehr introvertiert. Er grüßt nicht. Anfangs gab er keine Interviews und vermied jedes öffentliche Auftreten. Insignien der Macht – wie zum Beispiel ein Fahrer – sind für ihn nicht wichtig. So lief er nach dem Besuch der Militärparade 2025 auf dem Tiananmen, zu der er eingeladen war ganz alleine in
weißem T-Shirt, Jeans und weißen Sneakers 30 Minuten die Chang‘an Avenue entlang, um schließlich ein Taxi zu finden.
Im Unternehmen ist alles auf ihn zugeschnitten. Das „1+N-Managementmodell“ nennt das Caijing. Wang Xingxing gilt als Arbeitstier und Kontrollfreak. Es ist keine Seltenheit, dass er morgens um 2 oder 3 Uhr irgendwelche technischen Dokumente ins firmeninterne WeChat stellt. Das Büro verlässt er meist erst gegen 3 oder 4 Uhr morgens, um aber um 8 Uhr schon wieder dort am Schreibtisch zu sitzen. Boni für seine Mitarbeiter gibt es nicht. „Unitree´s incentive system consists only of penalities, with almost no rewards”, schreibt Caijing. Aktienoptionen sollen nur ganz wenige Mitarbeiter bekommen haben, nämlich 17 zwischen 2017 und 2021. Wer aber Mitarbeiter meldet (man kann auch denunziert dazu sagen), die Interna ausplaudern, bekommt Belohnungen in Höhe zwischen 10 000 und 500 000 Yuan.
Wang kümmert sich um fast alles. Jeder Werbespot läuft über seinen Schreibtisch. Dabei redet er über das Setting, ja sogar über das Licht beim Drehen mit. Besonders engagierte er sich bei der Neujahrsgala im chinesischen Fernsehen. Dreimal traten dort bereits Roboter von Unitree auf – 2021, 2025 und 2026. Er schaffte es, dass die beiden ersten Auftritte ihn nichts kosteten. 2026 musste er dann aber zahlen. 50 Mitarbeiter waren zwei Monate lang vor Ort, um den Auftritt seiner Roboter zu trainieren – meist beobachtet vom Chef Wang Xingxing persönlich. Die Galas waren für ihn der große Werbegag. Stets schnellten danach die Verkaufszahlen für seine Roboter nach oben.
Als einer der wenigen Unternehmen der Robotikbranche ist Unitree schon seit Jahren konstant profitabel, auch weil Wang ein brutales Kostenmanagement führt. So soll er gesagt haben: „Don’t try to beat us on cost – we can still go a lot lower.” Auf seinen Robotern steht der Slogan: “low cost, high performance.“
Aufgrund seiner guten Zahlen wagte Wang am 19. August 2026 mit Unitree den Gang an die Börse, dem STAR-Markt in Shanghai. Das Unternehmen erreichte kurzfristig eine Marktkapitalisierung von 44o Milliarden Yuan(knapp 58 Milliarden Dollar) und war kurzzeitig der reichste Chinese, der in den 90er Jahren geboren wurde.
Inzwischen ist zwar der Aktienkurs gefallen, aber Wangs Vermögen liegt nach aktuellen Berechnungen von Forbes immer noch bei 6,3 Milliarden Dollar.
Info:
Hier der von ChinaTalk übersetzte Caijing-Artikel: https://www.chinatalk.media/p/the-king-of-unitree