GIPFEL I: Viel Pomp, wenig Substanz?

Das Treffen Trump-Xi war ein Gipfel des Pomp und der Harmonie. Und es war ein Treffen auf Augenhöhe der beiden mächtigsten Männer der Welt. Das wollte Xi – und hat es bekommen.

Schon die Ankunft am Nachmittag des 23. September setzte ein klares Statement. US-Präsident Donald Trump empfing den mit einer Boeing 747 angereisten Präsidenten Xi Jinping auf der Joint Base Andrews. Normalerweise empfängt der US-Präsident Staatsgäste im Weißen Haus. Das letzte Mal, dass ein US-Präsident einem Gast auf dem Flughafen entgegenkam, war 1962: Damals begrüßte dort John F. Kennedy den britischen Premier Harold Macmillan, einen engen Verbündeten.

Fast symbolhaft war das Bild vor der Ankunft des Flugzeugs von Xi, als US-Militärs auf Knien den roten Teppich glatt zogen und säuberten. Es sah aus wie ein Kotau. In den sozialen Medien Chinas wurde dieses Foto entsprechend genüsslich kommentiert. Manya Koetse zitiert in ihrem Newsletter What´s on Weibo einen populären Online-Kommentator: „This is a scene that we will remember for decades.”

Nein, es war natürlich kein Kotau. Aber es war ein Treffen auf Augenhöhe zwischen dem Präsidenten der USA Donald Trump (angeblich 190 cm) und dem der Volksrepublik China Xi Jinping (18o cm). Und das war genau, was Xi wollte – eine De-facto-Anerkennung Chinas als zweite Weltmacht neben den USA.

Das zweitägige Treffen produzierte schöne Bilder mit viel Pomp. Das fing schon mit dem Empfang auf der Joint Base Andrew an, bei dem zur Begrüßung ein B-2-Bomber und vier F-22-Kampfjets über die Gäste hinwegdonnerten. Am nächsten Tag führte Trump seine Gäste durchs Weiße Haus. Abends dann das Staatsbankett. Am Freitagmorgen trafen sich die Ehepaare im Red Room des Weißen Hauses zum Tee. Die beiden First Ladys, die sich offenbar gut verstehen (Peng Liyxuan soll gutes Englisch gesprochen haben), schlenderten am Donnerstag durch das Smithsonian Museum. Es war ein Gipfel der Harmonie, mit dem beide Seiten zufrieden waren.

Cindy Xu kommentiert in der britischen Tageszeitung The Times kurz und bündig: „Trump inszeniert, Xi profitiert.“ Das war der Tenor, der durch die westlichen Gazetten schallte. Viel Pomp also, und wenig Substanz? Zum einen ist festzuhalten, dass ein Treffen der Staatschefs der beiden großen Weltmächte schon per se ein Positivum ist. four Und zum anderen gab es durchaus einige Ergebnisse, die aber – wie üblich bei solchen Gipfeltreffen – im Vorfeld von den Unterhändlern beider Nationen ausgehandelt wurden.

So wurde vereinbart, dass das Handelsmoratorium um zwei weitere Monate verlängert wird. Ursprünglich – so war xy in Kuala Lumpur vereinbart worden – sollte es bis 10. November gelten. Jetzt wurde der Zeitraum, in dem keine Zölle oder sonstige handelspolitische Bosheiten verkündet werden dürfen, bis zum 10. Januar 2027 verlängert. Zeit also für weitere Verhandlungen.

Hierfür wurden ein Board of Trade und ein Board of Investment geschaffen. Auch Gespräche über das Megathema Künstliche Intelligenz wurden institutionalisiert (siehe dazu den nächsten Artikel).

„But the most important outcome”, schreibt Bill Bishop (Sinocism), “was the convergence of the description of the relationship to a constructive China – U. S. relationship of strategic stability”. Dieser neue Begriff der strategischen Stabilität wurde von Xi beim letzten Treffen im koreanischen Busan verwendet – und nun auch von der amerikanischen Seite akzeptiert. Er tauchte in

in den Readouts beider Staaten nach dem Gipfel auf. Darin werden acht Punkte („the eight outcomes“) genannt, auf die man sich beidseitig geeinigt hatte. Aber die jeweilige Reihenfolge zeigt dann die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Punkte.

Für die USA war Thema Nummer Eins, dass sich China beim Export des süchtig machenden Opioid Fentanyl zurückhält. Für China stand ganz oben besagte „strategische Stabilität“. Das Thema Taiwan schaffte es übrigens nicht auf Acht-Punkte-Liste. Dafür aber die Ankunft von zwei Pandas im Zoo von Atlanta.

Und vereinbart wurde auch, dass die beiden Präsidenten sich bald wiedersehen werden – und zwar noch dieses Jahr.  Zuerst am 18./19. November beim APEC-Gipfeltreffen in der südchinesischen Stadt Shenzhen, und dann Mitte Dezember beim G20-Gipfel vor Trumps Haustür in Miami. Rana Mitter (Oxford University) schreibt treffend in Asia Times: „To meet four times just over half a year is a good sign; refusal to meet would be much more worrying.”

Info:

Das amerikanische Fact Sheet  nach dem Gipfel: https://www.whitehouse.gov/fact-sheets/2026/09/fact-sheet-president-donald-j-trump-advances-a-fair-and-reciprocal-relationship-with-china-while-hosting-historic-state-visit/?utm_source=substack&utm_medium=email

Und hier das chinesische Readout: https://sinocism.notion.site/China-and-the-United-States-Reach-Consensus-on-Eight-Outcomes-3e784ece41d78118a787f2a598946d0d

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