HU IS HU I Chinas nächste Führungsgeneration

Noch sitzt Parteichef Xi Jiping (73) fest im Sattel. Er wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auf dem nächsten Parteitag 2027 und vielleicht auch auf dem übernächsten 2032 wiedergewählt. Trotzdem wird jetzt schon spekuliert, wer ihm nachfolgen könnte.

Chinas Führung wird gerne in Generationen eingeteilt. Die erste Generation war die unter Mao Zedong, die zweite folgte dann unter Deng Xiaoping. Der derzeit herrschende KP-Chef Xi Jinping (73) ist Repräsentant der fünften Generation. Eigentlich müsste ihm die sechste Generation folgen. Aber weil Xi seine Amtszeit als KP-Chef entgegen allen bisherigen Regeln über zwei Amtszeiten hinaus ausdehnte, wurde die sechste Generation quasi übergangen. Das Augenmerk der Auguren richtet sich deshalb auf die siebte Generation. Das sind Personen, die Ende der 60er Jahre und in den 70er Jahren geboren wurden. Mit dieser 7. Generation beschäftigt sich The Economist (22. September) in einem Artikel mit dem Titel „China‘s Communist Party faces a generational shift“. Er prophezeit dieser Gruppe mehr Einfluss in den kommenden Jahren: „Even if Xi remains at the helm at the party’s 22nd congress in 2032, surrounded by an inner circle of gerontocrats, notably younger politicians will play a big role.”

Es wird die erste Generation sein, die keine oder nur noch sehr wenig Erinnerung mehr an die Mao-Zeit hat mit ihren Exzessen des Großen Sprungs nach vorn und vor allem mit der Kulturrevolution. Diese Generation ist in den 80er Jahren aufgewachsen, in denen sich China gegenüber dem Ausland geöffnet hat, als liberale Ideen geäußert werden durften und kapitalistisches Gedankengut in die Wirtschaft einzog. Deshalb fragt The Economist im Untertitel seines Artikels: „Will rising officials be freer thinkers than older ones?“ Eine Frage, die gegen Ende des Textes eher verneint wird.

Spannend ist die Frage, wer die führenden Köpfe dieser siebten Generation sind. Der Autor nennt drei Namen: Vorweg Zhu Zhongming (54), der im August zum Bürgermeister von Shanghai erkoren wurde. Dann Liu Jie (56), der Gouvernor der Provinz Zhejiang, ein ökonomisches Powerhouse, und A Dong (55), der erste Sekretär der Kommunistischen Jugendliga, die traditionell ein Sprungbrett nach oben ist.

Viele mögliche Führungskräfte der 7. Generation haben im Ausland studiert oder gelebt. So zum Beispiel der Beijinger Bürgermeister Yu Yong (57), der seinen Master in Harvard gemacht hat. Oder Guo Ningning (56), die in Fujian als „rising star“ gilt. Sie hat für eine Staatsbank in Hongkong und Singapur gearbeitet.

Wahrscheinlich wird schon beim kommenden, dem 21. Parteitag, im Herbst 2027 ein Teil der siebten Generation zumindest ins Zentralkomitee der KP kommen. Viele bisherige ZK-Mitglieder erreichen dann die Altersgrenze von 65 Jahren. The Economist rechnet damit, dass zwei Drittel der bisherigen Mitglieder ersetzt werden und der Anteil der Mitglieder der siebten Generation dann von derzeit acht auf 40 Prozent steigen wird.

Manche Beobachter blicken aber schon auf die übernächste, die achte Generation. Anlass war die Ernennung von Du Shangze (44) zur stellvertretenden Chefredakteurin des Parteiblatts Peoples‘ Daily. Über ihren Aufstieg berichtet ausführlich Dalia Parete in dem Blog China Media Project (CMP) vom 16. September. Du, die in Nanjing Journalismus studiert hat, ist bereits seit 2004 bei Peoples‘ Daily und ist bislang vor allem mit ihrer Berichterstattung über Xi Jinping aufgefallen. Der Posten von Du Shangze entspricht einem Vizeminister. Die Zeitschrift Caixin konstatiert: „She is the youngest Chinese official to reach that elite level.”

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