China hat ein Fast-Monopol bei Seltene Erden. Hinter dem Monopol stecken zwei Staatsunternehmen im Norden und Süden des Landes. Über sie ist bislang wenig bekannt. Nun bietet ChinaTalk einen sehr informativen Blick hinter die Kulissen dieser Konzerne, die in die Weltpolitik geraten sind.
Inzwischen kennt fast jeder den Begriff Seltene Erden. Darunter versteht man 17 eigentlich gar nicht so seltene Rohstoffe, die man für viele High-Produkte – von Batterien bis Raketen – benötigt. Und fast jeder weiß inzwischen, dass China nahezu ein Monopol bei diesen Seltenen Erden hat und dieses in geopolitischen Auseinandersetzungen vor allem mit den USA als Waffen einsetzt.
Aber was verbirgt sich hinter diesem chinesischen Monopol? Ein Duopol von zwei Staatsunternehmen. Ein Blick hinter deren Kulissen bietet der sehr interessante und informative Artikel „China’s Rare Earth Duopoly“ von ChinaTalk (1. September). Darin beschreiben die beiden Autoren Aqib Zakaria und Nick Corvino die zwei Staatsunternehmen, die diesen Markt beherrschen: China Northern Rare Earth und die China Rare-Earths Group (CREG). Das erstgenannte hat sein Headquarter in Baotou in der Inneren Mongolei im Norden des Landes, das andere seinen Sitz in Ganzhou in der Provinz Jiangxi im Süden des Landes. Die Autoren nennen die beiden Unternehmen deshalb vereinfachend „China Northern“ und „China Southern“.
Doch die beiden Konzerne unterscheiden sich nicht nur geographisch, sondern auch in einigen anderen Bereichen. China Northern gewinnt seine eher leichten Seltenen Erden (wie zum Beispiel Neodymium und Praseodymium) vor allem aus einer Mine namens Bayan Obo. China Southern hingegen hat verschiedene Abbaugebiete in den Bergen der Provinzen Jiangxi, Guangdong, Fujian und Hunan. Dort werden vor allem schwere Seltene Erden gewonnen wie Dysprosium oder Terbium. China Northern ist ein lokales Staatsunternehmen, China Southern hingegen ein zentrales SOE (State-Owned Enterprise), an dem die SASAC (die Holding aller Staatsunternehmen) zu 31 Prozent beteiligt ist. China Northern ist vom Umsatz viel größer (etwa um das Zehnfache) als China Southern und mit einer Marktkapitalisierung von 25 Milliarden Dollar das wertvollste SE-Unternehmen der Welt.
Beide Unternehmen können auf „a deep ecosystem of companies providing all sort of equipment for mining and refining” zurückgreifen. Dies sei ein großer Vorteil gegenüber anderen Nationen, die solche spezialisierten Unternehmen nicht hätten. Aber trotzdem sei das „equipment“ nicht der entscheidende Vorteil gegenüber anderen Ländern, die auch SE abbauen und gewinnen, sondern das „process knowledge“. Die beiden Autoren schreiben: „Decades of dominance over the industry allowed China’s duopoly to develop process knowledge and discover trade secrets that allow them to squeeze every last drop of juice from the earth.” Als einer der zentralen Figuren gilt Beida-Professor Xu Guangxian, “the father of Chinese Rare Earths Chemistry“. Er entwickelte ein Verfahren, um auf der letzten Stufe des Refining-Prozesses Neodymium und Praseodymium zu trennen. An der Beida wird weitergeforscht, ebenso an den beiden Forschungsinstituten von „China Northern“ und „China Southern“. Das Baotou Research Institute of Rare Earths (BRIRE) hat zum Beispiel über 700 Mitarbeiter, davon 200 Ingenieure. China hat zudem den nötigen wissenschaftlichen Unterbau, um diese Institute mit Talenten zu „beliefern“. So berichten die Autoren von „80 mineral processing schools and mining engineering programs“, die jährlich Tausende von Studenten „produzieren“.
China hat also – und das ist das Fazit nach der Lektüre dieses Artikels – bei Seltenen Erden ein gigantisches Ecosystem geschaffen, das nur schwer zu replizieren ist und vor allem nicht in kurzer Zeit. Dessen müssen sich all diejenigen bewußt sein, die auf eine schnelle Reduzierung der Abhängigkeit von China bei den so wichtigen Seltenen Erden setzen.
Info:
Hier der Link zum Artikel in ChinaTalk: https://www.chinatalk.media/p/chinas-rare-earths-duopoly