Rollt nach dem zweiten China-Schock nun die dritte Welle an?

Derzeit wird viel über den China-Schock 2.0 diskutiert, der vor allem Europas Auto- und Maschinenbauindustrie große Sorgen bereitet. Doch schon rollt eine dritte Welle Chinas an, die für Europa noch viel gefährlicher sei, meint eine aktuelle Studie.

Inzwischen spricht man fast nur noch von China-Schocks. Der erste China-Schock kam anfangs der 2000er Jahre, als China nach dem WTO-Beitritt die Märkte vor allem mit billigen Konsumgütern „überschwemmte“. Vor ein paar Jahren folgte dann der zweite China-Schock, als China zunehmend etablierten Industrien wie Auto und Maschinenbau Konkurrenz machte.

Eine aktuelle, sehr lesenswerte Studie analysiert diese beiden Entwicklungen, spricht aber nicht von Schocks, sondern von Wellen. Dieser Begriff ist vielleicht etwas weniger alarmistisch, aber auch Wellen können gefährlich werden.

Das neue an dieser Studie ist aber nicht nur die etwas andere Wortwahl, sondern die Tatsache, dass sie den beiden ersten Wellen eine weitere folgen lässt – die dritte Welle. So lautete denn auch der Titel der Studie „Chinas „3. Welle“ – Globale Disruption bei KI, Robotik und Zukunftstechnologien.“ Geschrieben haben die Studie Leonhard Xu, Björn Conrad und Melda Kubat. Alle drei sind bei Sinolytics, einem Technologie-Beratungsunternehmen aus Berlin, beschäftigt, das zusammen mit dem FERI-Cognitive Finance Institute diese Studie herausgegeben hat.

Bereits im Vorwort zeichnen die beiden Geschäftsführer Heinz-Werner Rapp (FERI) und Björn Conrad (Sinolytics) ein düsteres Bild: „Die bereits begonnene dritte Welle könnte noch weitreichender sein. Erstmals geht es nicht mehr primär um Wettbewerb innerhalb bestehender Industrien, sondern um die technologische Führung bei den Schlüsseltechnologien der Zukunft.“

Zu diesen Schlüsseltechnologien zählen die Autoren unter anderem folgende Bereiche: Halbleiter, generative und industrielle KI, Robotik, Low-Altitude-Economy, Quantentechnologie, Biomanufacturing. Bei diesen Technologien verfolge China das Ziel, „eigene technologische Ökosysteme, Standards, Wertschöpfungsketten aufzubauen und international zu verbreiten.“

Diese dritte Welle stelle Deutschland und Europa vor „eine entscheidende Bewährungsprobe“. Nachdem hierzulande auf die Herausforderungen der zweiten Welle vielfach zu spät reagiert worden sei, werde die Reaktion auf die nun beginnende dritte Welle maßgeblich darüber entscheiden, welche Regionen künftig technologische Führung, industrielle Wertschöpfung und wirtschaftliche Gestaltungskraft auf sich vereinigen, heißt es in der Studie. Die Autoren sehen die Gefahr einer zunehmenden technologischen Fragmentierung der Weltwirtschaft in ein chinesisches und ein westliches Technologiesystem, was für Europa, das in beiden Systemen unterwegs ist, zunehmend Schwierigkeiten bereiten könnte.

Info:
Hier kann man die Studie von FERI und Sinolytics ordern: https://www.feri-institut.de/content-center/2610161357

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