POLITIK I Nach den Gipfeln (SCO und BRICS)…

Innerhalb von wenigen Tagen reiste Staatschef Xi Jinping zu Gipfeltreffen den beiden wichtigsten nicht-westlichen Organisationen SCO und BRICS. Er will damit vor dem Treffen mit Donald Trump eine Botschaft senden: China hat noch einige andere Optionen – neben den USA.

Staatspräsident und KP-Chef Xi Jinping zeigte sich in den vergangenen Wochen ungewohnt reisefreudig, nachdem er in der ersten Hälfte des Jahres im heimischen Beijing Hof hielt und Dutzende von ausländischen Präsidenten und Regierungschefs empfing – darunter Donald Trump, Friedrich Merz, Keith Starmer und Mike Carney. Die einzige Auslandsreise im ersten Halbjahr 2026 führte Xi ins benachbarte Nordkorea.

Doch Ende August bestieg Xi mal wieder ein Flugzeug, das ihn außerhalb des Landes brachte. Am 30. August landete er in Bischkek, der Hauptstadt des zentralasiatischen Staates Kirgisistan. Dort wurde das Gipfeltreffen der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) abgehalten. Diese Organisation wurde vor 25 Jahren in Shanghai von China, Russland und den zentralasiatischen Staaten gegründet. Damals war sie ein Reflex auf die Herausforderungen durch den Terror von 9/11. Doch inzwischen ist sie weit mehr als eine Organisation, die sich um Sicherheitsfragen kümmert. Als neue Mitglieder kamen im Laufe der Jahre Indien, Iran, und Pakistandazu. Inzwischen sind es zehn Mitgliedsstaaten. Xi sprach vor den versammelten SCO-Führern am Morgen des 30. August von einer „extraordinary journey“, die die SCO hinter sich habe. Sie habe sich seit ihrer Gründung „into a new type of regional organization“ entwickelt.  In seiner Rede am Nachmittag ordnete er die SCO im weltpolitischen Kontext ein, nämlich als wichtiger Bestandteil des Globalen Südens: „The organization takes root in the Global South, its heart beats with the Global South, and it is an important pillar of South-South cooperation.“

Interessant war Xis Umgehen mit dem Iran. Er vermied in Bischkek ein formelles Treffen mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian. Das spiegle „Chinas Balanceakt“ gegenüber China wider, kommentiert Eva Seiwert (Merics): „Peking möchte die strategischen und wirtschaftlichen Vorteile der Beziehungen wahren, hat jedoch wenig Interesse daran, in den Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten hineingezogen zu werden.“

China ist zwar inzwischen ein wichtiger Player im Nahen Osten, versucht aber mit allen zentralen Akteuren gut auszukommen – ob mit dem Iran, dessen Erzfeind Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) oder Ägypten.  Nicht zuletzt deshalb flog Xi am 1. September direkt vom SCO-Gipfel in Bischkek nach Kairo weiter. Es war der erste Besuch eines chinesischen Präsidenten seit zehn Jahren. Formal wurde die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 70 Jahren gefeiert. Aber Xi wollte durch diesen Trip in die ägyptische Hauptstadt vor allem Chinas Interesse am Nahen Osten dokumentieren.  

Nach Kairo reiste Xi wieder nach Beijing zurück, von wo aus er ein paar Tagen später zu einem weiteren Gipfel aufbrach. In Neu-Delhi trafen sich am 12. und 13. September die Führer der inzwischen elf BRICS-Staaten. Es war Xis erste Indien-Reise seit 2019. Die Beziehungen der beiden asiatischen Großmächte haben sich in den vergangenen zwei, drei Jahre verbessert.

Indien sieht – etwas anders als China – den BRICS-Verbund aber nicht als „anti-Western“, sondern eher als „non-Western“ an. Aber für Indien, das eine lange Tradition in der blockfreien Bewegung hat, ist BRICS auch ein Sprachrohr des Globalen Südens. In dieser Einschätzung ist sich Neu-Delhi mit Beijing zumindest einig.

Bischkek, Kairo, Neu-Delhi – drei Stationen, die alle im Globalen Süden liegen, als dessen Primus sich China zusehends profiliert. Yang Danxu, China News Editor der singapurianischem Zeitung Lianhe Zaobao kommentiert diesen Reiseplan: „Xi Jinping’s diplomatic sprint ahead of his next meeting with Donald Trump sends a clear message: managing ties with Washington matters, but China’s world extends far beyond the United States.”

Info:

Xi-Rede in Bischkek: https://english.www.gov.cn/news/202609/01/content_WS6a96b808c6d00ca5f9a0cef0.html

Yang Danxu: https://www.thinkchina.sg/politics/why-xi-looking-far-beyond-washington

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