Am 24. September wird Xi Jinping zu einem weiteren Gipfeltreffen mit Donald Trump in Washington erwartet. Themen sind wie immer handelspolitische Fragen, aber auch der Umgang mit der rasant fortschreitenden Künstlichen Intelligenz. Die Erwartungen an den Gipfel sind freilich nicht sehr hoch.
Nur noch knapp zehn Tage bleiben bis Xi Jinping zu seinem Besuch in Washington eintreffen wird. Die Vorbereitung des zweiten Gipfeltreffens der beiden Staatschefs in diesem Jahr läuft – wie immer, ist man geneigt zu sagen – chaotisch, was vor allem an der erratischen Trump-Administration liegt. „There haven’t been a lot of high-level meetings to prepare for the summit,” sagt Evan Osnos (The New Yorker). Von Trump selber erfuhr man bislang lediglich, dass er ein formales Staatsbankett für seinen Freund Xi plane. Aus China meldet die South China Morning Post, dass eine Delegation von Wirtschaftsführern Xi begleiten werde, was eher ungewöhnlich ist. Die Rede ist von Bossen der Tech- und Elektroautoindustrie. Das sind sicher nicht zufällig die chinesischen Branchen, die es aufgrund von Zöllen und anderen Handelshemmnissen in den USA schwer haben. Handelspolitische Themen dürften deshalb sicher auf der Tagesordnung stehe, aber auch der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Soll sie global geregelt werden und wenn ja, wie? Trumps Truppe plädiert eher für einen Laissez-Faire-Ansatz, Xis Team eher für eine stärkere Eindämmung der KI und ihrer Auswüchse. Die China-Analystin Alica García-Herrero (Natixia) schreibt: “An inefficient, asymmetric split of AI looks increasingly likely ahead of the summit. Since the two leaders first spoke at AI guardrails in Beijing in May, that positions have diverged rather than converged, making a substantive outcome less likely.” Bill Bishop (Sinocism) dämpft die Erwartungen: „Expectations should be low for US-China AI discussions around Xi’s upcoming visit., because the US side is far from having any sort of coherent approach to regulate.”
Die KI scheint sich eher zu einem Zankapfel zwischen den beiden Nationen zu entwickeln. Maßgeblich dazu hat ein Bericht vom 8. September beigetragen. Er wurde von den drei Organisationen NSA (National Security Agency), FBI und CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency) verfasst und trägt den langen Titel: „China-Based Artificial Intelligence Company Conducting Industrial-Scale Distillation Campaigns Against U. S. AI Companies.“ Er besagt – sehr vereinfacht -, dass chinesische KI-Firmen sich bei ihren amerikanischen Konkurrenten einklinken und dort Daten absaugen, um sich auf diese Weise zu verbessern. Als Scharfmacher in dieser Frage entpuppt sich zusehends Finanzminister Scott Bessent. Er sagte bei einer Diskussion in der Southern Methodist University in Dallas: „The technical word for stealing and copying American AI models is distillation. So, the Chinese destil our models.” Bessent ist aber überzeugt, dass die Chinesen trotzdem nicht die Amerikaner bei der KI überholen werden: „It’s kind of like if you looking over someone’s shoulder, copying their homework, you can never get a higher grade than they do.” Das chinesische Handelsministerium (Mofcom) kontert den Vorwurf: “Distillation is a common practice through which AI models learn from one another.”
Der Streit um KI ist nur eine der aktuellen handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China. So verhindern die
#äö.l USA zum Beispiele Importe von Humanoiden und Roboterhunden aus China, im Gegenzug reagiert China mit Exportkontrollen für Komponenten zum Dronenbau. Es ist ein „tit-for-tat“ und zeigt den asymmetrischen Charakter der Beziehungen zwischen beiden Ländern.
Der Ex-Diplomat Julian Gewirtz schreibt angesichts dieser handelspolitischen Kleinkriege treffend: „What‘s new is the widening distance between unusually intensive stabilization at the top and intensive rivalry below.” Will heißen: Auf allerhöchster Ebene werden Nettigkeiten ausgetauscht (Trump bezeichnet Xi als “a great gentleman“), aber auf den Arbeitsebenen darunter wird ordentlich geholzt.
An dieser Einschätzung wird sich auch durch das Gipfeltreffen wenig ändern. Evan Osnos sagt: „I have pretty modest – I would say even lower expectations for the meeting because it comes at a time of fragile truce, tactical détente.” Interessanterweise greift Da Wei, Politik-Professor an der Tsinghua, den Begriff der Détente auf. Sein Artikel in Foreign Affairs (7. September) hat die Überschrift „The Emerging U. S. – China Détente“. Er scheibt: „Since the beginning of Trump’s second term, it has become clear to both sides that the bilateral relationship is simply too big to fail.”
Info:
Der US-Bericht von CIA & Co.: https://media.defense.gov/2026/Sep/08/2003992823/-1/-1/1/CSA_CHINA_BASED_AI_COMPANIES_MALICIOUS_DISTILLATION_AGAINST_US.PDF
Der Artikel von Da Wei in Foreign Affairs: https://www.foreignaffairs.com/united-states/emerging-us-china-detente