ESSEN I Jinxiang – die Knoblauch-Hauptstadt der Welt

Wenn Sie in Deutschland Knoblauch kaufen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Knolle aus einer Stadt in China kommt – aus Jinxiang. Die Stadt im Südwesten der Provinz Shandong wird als die Knoblauch-Hauptstadt der Welt bezeichnet. Etwas mehr als zwei Drittel aller weltweiten Knoblauch-Exporte kommen aus dieser Stadt. Dort wird gerade in den Frühsommermonaten die Ernte abgeschlossen, die im Mai beginnt. An den Straßenrändern türmen sich Säcke voller Knoblauch. Ein Duft von Knoblauch liegt über der Gegend. Rund 800 Unternehmen in und um Jinxiang beschäftigen sich mit Lagerung und Verarbeitung der weltberühmten Knolle. Aus ihr wird Pulver gemacht oder auch Öl. Aber der weitaus größte Teil der Ernte wird als frischer Knoblauch in die Welt exportiert. Rund 600 Firmen in Jinxiang betreiben den Export in derzeit über 160 Länder der Welt.

Warum gerade Jinxiang? Das hat vor allem mit dem Boden und den klimatischen Bedingungen zu tun. Dort gibt es einen sandigen Lehmboden, angenehme Durchschnittstemperaturen von rund 15 Grad sowie moderate Regenfälle. Der Knoblauch-Anbau hat in dieser Gegend seit über 2000 Jahren Tradition. Vor 1978 betrug die Anbaufläche aber lediglich 800 mu (das chinesische Flächenmaß mu entspricht 666 Quadratmetern). Erst mit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik nach 1978 stieg Anbau und Produktion von Knoblauch. Heute wird auf über 700 000 mu Knoblauch angebaut – und zwar überwiegend der weiße Knoblauch, aber violetter Knoblauch. Ein nicht unwesentlicher Teil der Ernte von Suan (蒜), wie Knoblauch auf Chinesisch heißt, bleibt natürlich auch in China. Er ist neben den Frühlingszwiebeln und Ingwer das wichtigste Gewürz in der chinesischen Küche. Meist wird eine zerquetschte Knoblauchscheibe zusammen mit etwas Ingwer in das heiße Öl gegeben, in dem dann verschiedene Gerichte der chinesischen Küchen gebraten oder geschmort werden.

Passend zum Thema empfehle ich noch ein literarisches Schmankerl: „Die Koblauchrevolte“ von Mo Yan, der 2011 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Mo Yan stammt aus Shandong und kennt sich in der Knoblauch-Provinz bestens aus.

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