GESELLSCHAFT I Der Humanoide kommt ins Wohnzimmer

UBTech ist einer der großen chinesischen Hersteller von Humanoiden, also Robotern, die auf zwei Beinen stehen und laufen können und dabei diverse Aufgaben erledigen. Bislang arbeiteten diese Humanoiden von UBTech vor allem in Fabrik- und Lagerhallen. Sie sahen aus wie eben Roboter, mit viel Metall, Kabeln und etwas tapsigen Bewegungen. Mit leibhaftigen Menschen hatten sie wenig Ähnlichkeiten.

Aber nun kommt UBTech mit einem neuen Modell auf den Markt, das dem Menschen sehr ähnlich ist. Das Gesicht besteht aus Siliconhaut. Und wenn sie Anzug und Kleider über ihr metallenes Inneres stülpen, kommt der Beobachter kurz ins Grübeln: Ist das nun ein Mensch oder ein Humanoid?

Das Modell heißt U1 und wurde am 2. Juni von UBTech per Video vorgestellt. Es gibt es in einer weiblichen und einer männlichen Version auf dem Markt: Sie ist 169 cm groß und 35,2 Kilogramm schwer, er ist 1983 cm groß und wiegt 42 kg. Beide verfügen über 88 sogenannte Fertigungsgrade – also Gelenke. Sie erlauben flüssige Bewegungen und sogar subtile Gesichtsausdrücke wie das Blinzeln mit den Augen.

Beim Onlinehändler JD.com kann man bereits Vorbestellungen tätigen. Innerhalb einer Woche gingen über 3000 davon ein. Lediglich 300o Yuan (knapp 400 Euro) muss der Kunde anzahlen. Der finale Verkaufspreis soll bei umgerechnet rund 28 000 Euro liegen. Der Verkaufsstart ist für den 30. Juni geplant. Die ersten Auslieferungen sollen dann Mitte September erfolgen.

Zum ersten Mal verlassen mit diesem Modell U1 die Humanoiden die Fabrikhallen und begeben sich in die Wohnungen ihrer Besitzer. Dort sollen sie aber nicht arbeiten. Der U1 kann keine Hausarbeiten erledigen. Und nebenbei bemerkt: Er kann auch keine Treppen steigen, ist also für Maisonette-Wohnungen nicht geeignet.

Der „arbeitslose“ U1 soll einfach für seinen Besitzer nur da sein, als Begleiter, Freund oder was auch immer.  Zhou Jian, Gründer und CEO von UBTech, beschreibt ihn als Kumpel, der „won’t tell you that you’re annoying, stay with users whatever they are doing and play games and watch TV dramas with you.” Aber Zhou Jian sagt auch, dass kein User auf dumme Gedanken kommen solle: UBTech wolle nicht, dass ihr U1 als Sex-Roboter missbraucht würde. Allerdings will Zhou laut Sixth Tone nicht ausschließen, dass sich die Zeiten ändern: „I think, that in 10 or 20 years the next generation may fall in love with humanoid robots.“

Wie sagte einst meine Mutter im fortgeschrittenen Alter: Das ist nicht mehr meine Welt. Jetzt sage und schreibe ich es angesichts solcher Entwicklungen auch: Das ist nicht mehr meine Welt.

Info:

Hier ein erstes Video des U1: https://www.youtube.com/watch?v=yUF_1uvkIj4

Und hier ein Artikel in Sixth Tone: https://www.sixthtone.com/news/1018634

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