Immer mehr Gemeinden in China legen Teiche an, platzieren daneben Futterkästen und bauen in gebührendem Abstand getarnte Beobachtungsstellen auf. Das Wasser und Futter sollen möglichst seltene Vögel anlocken, die wiederum sogenannte Birdwatcher anlocken. Vogelbeobachtung – wie das auf Deutsch heißt – war lange Zeit eine Beschäftigung für Studienräte und schrullige Naturkundler im Westen, die sich frühmorgens auf die Lauer legten. Aber nun erfasst diese Freizeitbeschäftigung auch immer mehr Chinesen. Aber dort sind es nicht pensionierte Lehrer und sonstige Bildungsbürger, sondern junge Leute, die dieser neuen Art von Tourismus frönen. „China‘s burnout generation goes birding“, überschreibt Rachel Zheng ihren Beitrag in Jing Daily, in dem sie über diesen Trend berichtet. Sie zitiert dort stellvertretend die junge Marketing-Managerin Lilly Kang: „Birdwatching curend my menthal burnout. You have to be focused and patient. The world slows down around you.” In den sozialen Medien wie Xiaohongshu und Douyin werden Fotos und Tipps übers Birdwatching in dreifacher Millionenhöhe geklickt.
Das moderne Birdwatching begann in China bereits in den 80er und 90er Jahren und war von Ausländern, Wissenschaftlern und Umweltschützern beeinflusst. Es war eine verschwindend kleine Minderheit, die diesem Hobby frönten. 600 sollen es um die Jahrtausendwende gewesen sein. Inzwischen sei die Schar auf über 340 000 angewachsen, schreibt Fei Wu, Forscher am Kunming Institute of Zoology. Er hat im März eine erste systematische Untersuchung über die Vogelbeobachtung veröffentlicht.
Danach gibt es 251 sogenannte hide-in-bird ponds in 24 Provinzen, die meisten – nämlich 40 Prozent – in der südwestlichen Provinz Yunnan. Fast 90 Prozent befinden sich in ärmeren ländlichen Gegenden.
Zum Beispiel in Baihualing, einem Dorf auf 1400 Meter Höhe am Rande der Gaoligong Berge in der Provinz Yunnan. Dort tummeln sich fast 500 verschiedene Vogelarten, die regelmäßig zu den Teichen flügen. Jedes Jahr kommen inzwischen Tausende von Birdwatchern in das Dorf, die 70 Yuan Eintritt bezahlen. In der Gemeinde wurden Gästehäuser und Restaurants gebaut. Das Pro-Kopf-Einkommen der Dorfbewohner vervierfachte sich von 5000 auf 20 000 Yuan. „Such wildlife-focused tourism provides a valuable source for local communities“, sagt Summer Wong, Besitzer des Reiseveranstalters Summer Wong China Bird Tours in Sichuan.
Birdwatching ist eine neue Form von Tourismus in China – „reflecting broader changes in lifestyle, income and travel preferences“, schreibt der Newsletter Tourism Report. Viele junge Chinesen wollen aus den großen Städten Richtung Natur entfliehen. Hiking und Camping sind weitere Zeichen dieses neuen Naturbewusstseins in der jungen Generation.
Info:
Artikel von Rachel Zheng in Jing Daily: https://jingdaily.com/posts/china-s-burnout-generation-goes-birding
Artikel in Dialogue Earth: https://dialogue.earth/en/nature/chinas-bird-tourism-boom-sparks-calls-for-regulation/
Artikel in Tourism Report: https://www.tourismreporter.com/chinas-birdwatching-boom-signals-a-new-era-of-nature-driven-tourism/