KULTUR I Yang Shuang-zi gewinnt auch den Booker Prize

Die taiwanische Autorin Yang Shuang-zi schwimmt auf der Erfolgswelle. Nachdem sie bzw. ihre Übersetzerin Lin King bereits im Herbst 2025 den National Book Award in den USA bekommen haben, erhielt das Duo nun im Londoner Kunstmuseum Tate Modern den Booker Prize. Er ist weltweit einer der renommiertesten Literaturpreise. Er ist mit 58 000 Pfund dotiert (rund 67 000 Euro) und geht zur Hälfte an die Autorin und die Übersetzerin. Mit dem Booker Prize werden ins Englische übersetzte Bücher ausgezeichnet. In diesem Falle ist es das Buch „Taiwan Travelogue“, das 2020 in Mandarin erschienen ist. Es ist das erste Buch, das aus dem Chinesischen übersetzt wurde und den Booker Prize bekam.

Yang erzählt in „Taiwan Travelogue“ die Geschichte der japanischen Schriftstellerin Aoyama Chizuko, die 1938 – also zur Zeit der japanischen Besatzung Taiwans – zusammen mit ihrer lokalen Übersetzerin Chizuru Taiwan bereist. Es ist eine Story über Liebe, Krieg, Kolonialismus und Essen. Natasha Brown, Vorsitzende der Jury, begründet die Preisverleihung an Yang und Lin so: „‘Taiwan Travelogue pulls off an incredible double feat: it succeeds as both a romance and an incisive postcolonial novel. As judges, we’ve enjoyed rich discussions about the many layers of this book. It’s a captivating, slyly sophisticated novel.’ 

Die Autorin Yang Shuang-zi wuchs in einem taiwanesischen Dorf auf, studierte erst chinesische Literatur, machte aber danach noch ihren Magister in taiwanesischer Literatur, den sie 2012 abschloss. Im letzteren Studium hätte sie ihre taiwanesische Identität gefunden, sagt sie. Im Frühjahr 2014 nahm sie an der Sonnenblumen-Bewegung teil, die sich gegen Passagen eines Abkommens mit der VR China richtete. Die Bewegung hätte ihr die Augen geöffnet: „It made me realize that Taiwan has been facing threats from China.“

Bei der Preisverleihung in London sagte sie über ihr Buch: „ Both Korea and Taiwan were once colonies of the Japanese Empire, but Koreans seem to feel uniformly resentful of that history, whereas Taiwanese people regard it with a much more conflicted mix of distaste and nostalgia. Using a contemporary Taiwanese lens, I wanted to untangle the complex circumstances that Taiwan’s people faced in the past, and to explore what kind of future we ought to strive toward.”   

Ihre Übersetzerin Lin King erklärte: “Were Taiwan’s people oppressed and mistreated under Japanese rule? Yes, but that does not mean their identities and personalities were bulldozed over by their suffering. There was still humour, good food, movies, school, petty fights, and romance. To suggest otherwise is to reduce a culture to its trauma. That’s what I appreciate about Taiwan Travelogue.“   

Das ausgezeichnete Buch ist noch nicht in Deutsch erschienen, aber immerhin schon übersetzt – und zwar von Karin Betz. Sie sagt gegenüber CHINAHIRN: „Die Übersetzung habe ich schon abgegeben.“ Der Verlag DuMont habe aber trotzdem den Titel erst für das späte Herbstprogramm eingeplant, das deutsche Buch wird also erst Anfang 2027 erscheinen. Das könnte sich allerdings ändern, nachdem die Autorin durch die Preisverleihung nun einem breiten Publikum bekannt ist.  

Info:

https://thebookerprizes.com/the-booker-library/prize-years/international/2026

Karin Betz im DLF-Interview: https://www.deutschlandfunk.de/booker-international-prize-fuer-taiwan-travelogue-von-y-ng-shu-ng-z-100.html

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