WISSENSCHAFT I China überholt USA bei den Forschungsausgaben

Größte Wirtschaftsmacht der Welt ist China schon – wenn man in Kaufkraftparitäten rechnet. Danach hat China beim Sozialprodukt die USA schon vor Jahren überholt. Nun hat die Wachablösung auch in der Forschung stattgefunden. Nach neuesten Zahlen der Organisation of Economic Co-operation and Development (OECD) hat China bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Kürzel: F+E, englisch: R&D) zum ersten Mal die USA überholt, schreibt die Organisation der wichtigsten Industrieländer der Welt in einer Mitteilung vom 31. März. Danach gaben im Jahr 2024 sowohl die USA als auch China erstmals über eine Billion Dollar für F+E aus, wobei der Betrag Chinas leicht höher war als der der USA. Auch bei einem anderen wichtigen Maßstab – der R&D-Intensity (Anteil der Forschungsausgaben am BSP) – habe China aufgeholt, schreiben die OECD-Analysten. Sie kommentieren die neuesten Zahlen so: „The United States and the People’s Republic of China consolidated their position as the world’s largest economies in terms of R&D expenditures, widening the gap with others.”

Wie ist diese Wachablösung an der Spitze zu bewerten? Eine erste Einschätzung gibt Caroline Wagner, die an der Ohio State University zu diesem Thema forscht, in einem Artikel für Asia Times (27. April). Sie schreibt: „The most recent reports showing that China is now outspending the US on scientific and technological research is a turning point worth understanding clearly because, historically, global leadership in one sector – including technology and warfare – feeds into others. US dominance is in question.” Für Wagner war diese Entwicklung absehbar. Mehrere Indikatoren hätten schon in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen. Schon 2019 habe China die USA bei der Anzahl der besten wissenschaftlichen Studien überholt. 2024 habe China dann mehr wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht als die USA, die diesen Spitzenplatz seit 1948 innehatte. Und ebenfalls 2024 hängte China die USA bei der Anzahle der Patente ab. Während China 1,8 Millionen Patente anmeldete, waren es bei den USA nur etwas mehr als 600 000. Wagner: „These milestones mark as structural shift in where the world’s scientific frontier is being built.” Sie sieht das Aufsteigen Chinas nicht als Problem: “The problem is not that China is investing, but that the US is not.” Schon seit Jahren würden dort die F+E-Ausgaben des Staates zurückgehen – und das habe sich unter Trump noch weiter verstärkt.

Info:

Hier die Mitteilung der OECD:

https://www.oecd.org/en/data/insights/statistical-releases/2026/03/oecd-overall-rd-growth-stable-government-rd-budgets-decline-and-reorient-towards-defence.html

Artikel von Caroline Wagner in Asia Times: https://asiatimes.com/2026/04/chinas-science-surge-is-not-a-problem-americas-retreat-is/

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