Der Begriff der DINKs kam in den 80er Jahren in den USA auf. Er bedeutet “Double Income, No Kids”. Es waren also Ehepaare gemeint, die zwar gut verdient haben, aber sich trotzdem keine Kinder leisten wollten. Auch in China gab es zu der Zeit die ersten DINKs, doch bei weitem nicht so viele wie im Westen. In China verschrieben sich eher einige Intellektuelle dieser Lebensplanung, die nicht dem traditionellen chinesischen Denken entspricht, das ja auf der Fürsorge der Kinder für die Eltern basiert. Mittlerweile sind diese frühen chinesischen DINKs jenseits des Rentenalters. Zeit also sich mal umzuschauen, wie es den DINKs im Alter geht – ohne Kinder, die für sie sorgen. Gleich in zwei Medien gab es entsprechende Artikel. In ThinkChina (16. Januar) berichtet Liu Liu in „No children, no regrets? Inside China’s first generation of childless ageing.” In Sixth Tone (13. April) überschreibt Chen Yin ihren Artikel mit “China‘s First DINK Generation Is Growing Old”. Chen Yin berichtet ausführlich über das Ehepaar Bao Yi (73) und Shi Mingao (75), die in Shanghai auf 30 Quadratmetern mit ihren beiden Hunden („meine Kinder“) den kinderlosen Lebensabend genießen. Ehefrau Bao Yi sagt ohne großes Bedauern: „Even if we had a child, they would be busy with their own careers, their own lives, their own families.”
Schon in den vergangenen Jahren wurde in den Medien häufiger über die alternden DINKs berichtet. Dabei dominierte eher ein kritischer Unterton. So gab es beispielsweise Überschriften wie „The first DINKs are now in their 70s, paying the price for youthful freedom“ oder „How hard is life in old age without children?” Dazu passte, dass im Oktober 2025 in der Doku-Serie “Emerging Room” die Geschichte eines älteren Ehepaars gezeigt wurde. Der Mann kam ins Krankenhaus, die Ehefrau war hilflos zuhause. Keine Kinder kümmerten sich um die beiden. Solche Geschichten sollen abschreckend wirken. Auf Weibo kursieren Stories von alternden DINKs-Paaren, die über Einsamkeit klagen. Und das ist ganz im Sinne der Regierung, die ja angesichts des Bevölkerungsschwunds mehr Ehen und mehr Kinder will.
Doch die Mehrheit der Bevölkerung tickt offenbar anders. Eine 2025 erfolgte Umfrage des Instituts für Psychologie der Chinese Academy of Science Press unter Studierenden ergab, dass für 59,4 Prozent das Kinderkriegen nicht so wichtig ist. 70 Prozent akzeptierten eine Ehe ohne Kinder. Bei den Frauen war dieser Anteil sogar mit 85,3 Prozent noch deutlich höher. Kinder werden nicht mehr als „Versicherung fürs Alter“ angesehen, sondern eher als Last, die in jungen Jahren ein Großteil des Einkommens für die Ausbildung verschlingt. Lu Jiehua, Vizepräsident der China Population Association, weist zudem darauf hin, dass das zunehmend besser werdende Sozialsystem dazu beitrage, dass viele Chinesen im Alter nicht mehr auf die Unterstützung der Kinder angewiesen seien. Diese Tatsache fördere DINKs, aber auch nichteheliche Beziehungen. Zudem stellt Lu Jiehua einen Anstieg des Individualismus in der chinesischen Gesellschaft fest. Viele junge Paare dächten erst mal an sich selbst. Die Los Angeles Times zitiert in einem Artikel über den Aufstieg der DINKs die 47jährige Modeberaterin Zheng Yu aus Shanghai: „Nur wenn ich keine Kinder habe, kann ich so bleiben, wie ich es jetzt bin.“
Das Blatt schreibt weiter über ein Video, das ein junges kinderloses Ehepaar aus Jinan veröffentlicht hat. Darin geben die beiden in Dialogform Ratschläge für zweifelnde DINKs-Paare:
Sie: „Was ist, wenn Ihre Familie Sie unter Druck setzt?“; Er: „Halten Sie sich fern von ihr.“
Sie: „An wen werden Sie ihr Vermögen vererben, wenn Sie sterben?“; Er: „Verprassen Sie alles vorher.“
Info:
Hier der Artikel in ThinkChina:https://www.thinkchina.sg/society/no-children-no-regrets-inside-chinas-first-generation-childless-ageing
Hier das Video von Sixth Tone über das DINKs-Paar Bao Yi und Shi Mingao in Shanghai: https://www.youtube.com/watch?v=U497MVOONjA
Hier der Artikel in der Los Angeles Times: https://www.latimes.com/world-nation/story/2024-05-08/china-population-crisis-childless-dink-lifestyle