Ist China ein autoritärer oder schon ein totalitärer Staat? Für viele Journalisten ist das keine Frage mehr. Sie wechseln munter
zwischen diesen beiden unterschiedlichen Begriffen hin und her. Wissenschaftler sind da sorgfältiger. Kun-Feng Tu zum Beispiel. Er forscht am Institut für Philosophie an der National Sun Yat-sen Universität Taiwan und ist gleichzeitig Vizepräsident der Hannah Arendt Society of Taiwan. In einem Beitrag der Serie China Dialogue der London School of Economics (LSE) stellt er die Frage: „Is China Totalitarian?“ Er versucht die Frage anhand dreier Kriterien, die einst Hannah Arendt formulierte, zu klären. Die drei Kriterien sind: Erstens: ideology as a total system of explanation. Zweitens: an assault on indivduality and independent thought. Drittens: an ambition towards global domination. Die beiden ersten Kriterien sieht erfüllt, bei dem dritten ist er unsicher. Er kommt zu dem vorläufigen Schluss: “The PRC may exemplify a form of ‘Totalitarianism 2.0’: a regime that projects an authoritarian façade while its ideological machinery operates with a degree of autonomy that may outlast the Party itself.” Eine anspruchsvolle Diskussion, aber eine notwendige.
Info:
Hier der Diskussionsbeitrag von Kun-Feng Tu in China Dialogue: https://blogs.lse.ac.uk/cff/2026/04/15/is-china-totalitarian-hannah-arendt/