Tischtennis: China nicht mehr die Nummer Eins

Eine Bilanz der Asienspiele zeigt: China ist immer noch die dominierende Sportnation auf dem Kontinent. Aber sie schwächelt in den Sportarten, in denen sie einst am erfolgreichsten war. Zum Beispiel im Tischtennis.

Etwas sehr Spektakuläres ereignete sich bei den kürzlich zu Ende gegangenen Asienspielen in japanischen Nagoya. Im Männer-Finale des Tischtenniswettbewerbs standen sich in der Sky Hall in Toyota China und Japan gegenüber. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, sind das doch die beiden führenden asiatischen Tischtennis-Nationen. Nein, überraschend war das Ergebnis: Japan gewann das Finale mit 3:2, und das zum ersten Mal seit über 60 Jahren bei den Asia Games.

Als wenige Tage später die ITTF-Weltrangliste veröffentlicht wurde, passierte ein erneutes Novum: Zum ersten Mal seit mehr als achteinhalb Jahren stand kein Chinese mehr an der Spitze, sondern ein junger Japaner namens Sora Matsushima (19), der den Weltmeister Wang Chuqin (26) ablöste. In den Top Ten sind damit aktuell nur noch zwei Chinesen: Der auf Platz vier abgerutschte Wang und Lin Shidong auf Platz zehn. Konkurrenz machen ihnen die Japaner und auch das französische Brüderpaar Félix und Alexis Lebrun.

Ulrich Hartmann kommentiert in der Süddeutschen Zeitung: „Das ist eine in dieser Form lange nicht gekannte Schwächephase des chinesischen Männertischtennis.“ Deutet sich da ein Machtwechsel im Tischtennis an? Vorsichtig mit solchen Prognosen! Denn zum Gesamtbild gehört auch, dass China sechs der sieben Tischtenniswettbewerbe bei den Asia Games gewonnen hat – nur eben nicht den prestigeträchtigen Männerteam-Titel.

Interessant ist, dass China bei den Asia Games auch in anderen Sportarten geschwächelt hat, in denen es einst dominierte. Die Basketballer verloren das Spiel um Platz Drei und damit die Bronzemedaille gegen den Iran mit 70:79. In der Rangliste des Weltbasketballverbandes FIBA sackte das chinesische Team auf Platz 30 ab. So schlecht waren sie seit 20 Jahren nicht mehr platziert.

Im Badminton verloren die Männer das Teamfinale 2:3 gegen Indonesien. Noch schlimmer: In den Einzelwettbewerben schaffte es keiner der Männer ins Viertelfinale. Das war die schlechteste Vorstellung seit 1974.

Das Fußballteam der Frauen – einst der Stolz der nicht sehr verwöhnten chinesischen Fußballfans – kam immerhin ins Halbfinale, verlor dort aber mit 0:2 gegen Nordkorea.

Die Volleyballteams waren schon vor den Asia Games in der Weltrangliste abgerutscht: Die Frauen von drei auf sieben, die Männer gar von 18 auf 34.

Manche Kommentatoren versuchen, das relativ schlechte Abschneiden bei den Asienspielen damit zu erklären, dass 67 Prozent der chinesischen Sportler zum ersten Mal an einem so großen Event teilnahmen, also noch zu unerfahren seien. Doch dieses Argument sticht nicht richtig, denn bei den Asia Games 2014 in Incheon und 2018 in Jakarta lag der Novizen-Anteil bei 68 Prozent bzw. gar 74 Prozent.

Ist das also doch als eine Krise des chinesischen Sports und seiner Talentsichtung zu werten? Auch hier ist Vorsicht geboten. Denn schließlich war China mit 169 Goldmedaillen bei den Asia Games weiterhin die Sportnation Nummer Eins. Die Probleme scheint es „nur“ bei den einstigen Vorzeigedisziplinen zu geben.

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