KULTUR I Wie eine KI-Schauspielerin zum Star wurde

Eine Schauspielerin namens Fang Daozi macht derzeit in China Karriere, posiert auf Hochglanzmagazinen und schließt lukrative Werbeverträge ab. Doch sie ist gar kein Lebewesen, sondern von der KI erschaffen. Ist das das Ende für menschliche Schauspieler?

Sie trägt ein schwarzes, mit Blumen bestücktes Spitzenkleid von Fendi und hochwertigen Schmuck. So posiert Fang Daozi auf dem Titelbild der Online-Ausgabe von Cosmopolitan China, einem der einflussreichsten Modejournale Chinas.

Wer ist diese Fang Daozi, die binnen kürzester Zeit zu einem Star in der chinesischen Unterhaltungsszene avancierte?

Erst im Juli hatte sie ihren ersten großen Auftritt. Damals debütierte sie in dem Kurzfilm „The Laid-off Girl“.  Das Filmchen erzielte innerhalb weniger Tage über 200 Millionen Aufrufe Online. Und Fang Daozi war plötzlich ein Star.

Doch sie ist gar kein echter Mensch, obwohl sie so aussieht und sich so verhält. Aber sie ist ein KI-Produkt, das in einem KI generierten Film aufgetreten ist. Das Produktionsteam reagierte schnell auf die enorme Popularität von Fang Daozi und erstellte auf Douyin (dem chinesischen TikTok) ein Account für sie. Dort wurden zu Beginn 39 Videos über sie hochgeladen. Im ersten stellte sie sich vor und erzählte, dass sie am 1. April geboren wurde, was wohl bedeutet, dass ein paar KI-Nerds sie an jenem Tag kreiert haben. Schon in den ersten Tagen nach Errichtung des Accounts gab es dort fast 30 Millionen Likes und Tausende von Kommentaren. Ermutigt durch diese Zahlen stiegen die Kreatoren des KI-Girls Fang Daozi mit ihr ins Werbegeschäft ein. Ein Wer mit ihr ein Werbevideo von unter 20 Sekunden haben möchte, muss dafür rund 170 00o Yuan (22 300 Euro)zahlen. Ein Werbespot über eine Minute Länge kostet 260 000 Yuan (34 000 Euro). Inzwischen hat Fang Daozi mehrere Werbepartner gefunden. Sie ist ja auch eine ideale Werbefigur. Sie sieht immer gleich gut aus.

In der chinesischen Öffentlichkeit hat sie freilich eine „intense debate about beauty standards and the future of human celebrities“ ausgelöst, schreibt Alex Lendrum im Online-Magazin Radii. Denn Kunstfiguren wie Fang Daozi fangen an, leibhaftigen und natürlichen Stars und Sternchen sowohl auf der Leinwand als auch auf dem Werbemarkt Konkurrenz zu machen, was diesen natürlich nicht gefällt. Einige Künstler und Schauspieler reagieren auf diese Entwicklung pro-aktiv, indem sie digitale Doppelgänger von sich erstellen lassen. Der Vorteil: diese altern nicht.  

Zu dem Kult um eine KI-Schauspielerin passt auch die Meldung, dass es in China immer mehr – mit Hilfe von KI erzeugte – Mikrodramen im Fernsehen und in den Streaming-Diensten gibt. Höhepunkt dieses Trends ist die Ende August gestartete 30teilige Serie „Reise in den Westen“. Der innovative Sender Mango TV erstellte sie komplett mit Hilfe von KI – ohne  leibhaftige Schauspieler, ohne eine Filmcrew. Produktionszeit: Gerade mal sechs Monate. Kosten pro Episode: Vergleichsweise bescheidene 900 000 Yuan(118 000 Euro).Ist das die Zukunft der Filmbranche?

Info:

Hier der Artikel in Radii mit Fotos von Fang Daozi: https://radii.co/article/fang-taozi-ai-actress-cosmopolitan-china

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