Die OECD hat soeben ihre viel beachtete Pisa-Studie vorgelegt (siehe DOKU). Dabei schnitten – wieder einmal muss man sagen – asiatische Schüler am besten ab, allen voran die chinesischen. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hat dazu in einem Interview mit der FAZ einige bemerkenswerte Sätze gesagt.
Andreas Schleicher ist der Bildungsexperte der OECD (Organization for Economic Co-operation and Development), der die führenden westlichen Industrienationen angehören. Er hat die Pisa-Studien seit Anfang 2000 mitgeprägt und mitgestaltet. Wenn einer die Bildungssysteme weltweit vergleichen und einordnen kann, dann ist es Andreas Schleicher. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (9. September) hat er einen Tag nach der Veröffentlichung der neuesten Pisa-Studie ein Interview gegeben, in dem er sich auch zu der Dominanz der asiatischen bzw. chinesischen Schülern äußert. Ich finde diese Erklärungen sehr interessant, weil sie aus berufenem Munde einer der China-Freundlichkeit unverdächtigen Person kommen
und mit einigen herrschenden Vorurteilen aufräumen.
Über das Schulsystem: „Das traditionelle Bild, das man vom asiatischen Schulsystem hat – ihm wird ja oft ein maschinenhaftes Lernen unterstellt – trifft absolut nicht zu. Ich rate jedem, sich eine chinesische Schule anzuschauen. Nur die besten kommen in den Lehrerberuf, und die Ressourcen werden intelligent eingesetzt. Lehrkräfte unterrichten in China oft noch 50 Kinder in einer Klasse, aber sie tun es nur elf, zwölf Stunden pro Woche. Das heißt, sie können sich wirklich um diese Kinder kümmern, sie können sich auch mit den Eltern auseinandersetzen und tun es regelmäßig.“
Über die Freiheiten der Lehrer: „In China haben Lehrkräfte deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als in Deutschland. Eine Schulleiterin hat mir mal gesagt: Ja, in China sind viele Dinge nicht erlaubt, aber vieles ist auch nicht verboten. Und in dieser Grauzone können wir alles machen. Die chinesische Bildungsverwaltung würde nie in das Geschehen einer erfolgreichen Schule eingreifen.“
Über die Chancen von Ideen: „Wenn sie als Schule in China eine besondere pädagogische Idee verwirklichen möchten, fragen sie im Ministerium an und bekommen oft ein kleines Budget. Am Ende des Jahres, wenn ihr Konzept sich als gut erwiesen hat, gibt das Ministerium ihnen die Möglichkeit zu zeigen, ob die Idee auch an zehn anderen Schulen funktioniert. Und so verbreitet sich eine gute Idee rasant.“
Über den Stellenwert von Bildung: „Womöglich messen diese Staaten (er meint China und Singapur) der Bildung einen höheren Stellenwert zu, weil sie wissen, dass darauf ihre Zukunft beruht.“