Die chinesisch-europäischen Beziehungen sind nicht die besten. Das hat zum einen wirtschaftliche Gründe, über die in diesem Newsletter in fast jeder Ausgabe geschrieben wird. Aber es hat auch einen gewichtigen politischen Grund: die nibelungentreue Freundschaft Chinas mit dem in der Ukraine kriegsführenden Russland. Diese können auch sogenannte China-Versteher im Westen nur schwer bzw. gar nicht verstehen.
Zwar bitten europäische Regierungschefs bei ihren Besuchen in China gebetsmühlenartig die chinesische Führung, auf Putin einzuwirken, den Krieg zu beenden bzw. sich auf Friedensverhandlungen einzulassen. Aber diese Forderungen werden stets mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass man in diesem Konflikt neutral sei, was aber im Westen niemand glaubt. Gerade in den vergangenen Wochen sind in mehreren westlichen Medien Artikel veröffentlicht worden, die unter Berufung auf westliche Geheimdienste eine engere Zusammenarbeit der Militärs beider Länder beweisen sollen.
Zuerst berichtete die Nachrichtenagentur Reuters Mitte Mai, dass Chinas Armee Ende 2025 etwa 200 russische Soldaten ausgebildet habe, von denen einige anschließend in der Ukraine gekämpft hätten. Der Schwerpunkt der Ausbildung hätte sich auf Drohnen bezogen. Am 1. Juli legte Reuters mit einem weiteren Bericht nach. Darin wird von gemeinsamen Lehrgängen chinesischer und russischer Militärs in Shijiazhuang, Nanjing, Zhengzhou und Yibin berichtet. Bei den Übungen in Zhengzhou und Yibin ging es vor allem um Drohnen. So sei in Zhengzhou die Abwehr anfliegender Drohnen mit Drohnen, Elektronik und Netzwerfern geübt worden.
Ein paar Tage später, am 7. Juli, folgte die FAZ mit dem Aufmacher auf Seite 1: „China bildet russische Soldaten aus“. Das habe das Blatt von westlichen Geheimdiensten erfahren. Auf Seite 2 wird dann beschrieben, „wie China russische Soldaten trainiert“. Die gemeinsamen Übungen fänden sowohl in China als auch in Russland statt. Themen seien Ausbildung an Drohnen, das Pionierwesen sowie das Verlegen und Räumen von Minen. China lerne dabei von Russland. „Gewonnene Erkenntnisse aus dem Ukrainekrieg spielen eine riesige Rolle für die Volksbefreiungsarmee“, zitiert die FAZ die Geheimdienstquelle. Russlands Fronterfahrung zur Versorgung Verwundeter habe einen hohen Stellenwert für die Chinesen, insbesondere die Telemedizin.
Und schließlich erschien am 10. Juli der Spiegel-Titel über „Die neue Achse des Bösen“. Dem Nachrichtenmagazin sowie der französischen Zeitung Le Monde und dem exil-russischen Nachrichtenportal The Insider seien „geheime Dokumente“ zugespielt worden. In einem der Papiere fordere China Russland auf, seine Fronterfahrungen aus der Ukraine mit China zu teilen. Zudem hätte die VBA mehrere Offiziere als Militärbeobachter an die Front in der Ukraine entsandt. Aus einer Präsentation ginge hervor, dass China KI-Technik und Massenfertigungskapazitäten beisteure, um Drohnen zu entwickeln, die dann in der Ukraine eingesetzt würden. Auf diese Weise werde chinesische Technik faktisch im Gefecht getestet, werden Teilnehmer eines gemeinsamen Forums in Guangzhou zitiert.
In der Spiegel-Story wird auch berichtet, dass beide Staaten eine gemeinsame „Entwicklung eines Luft- und Raketenabwehrsystems der nächsten Generation“ beschlossen hätten. Das System soll manövrierfähige ballistische Raketen und sogar Hyperschallraketen bekämpfen können. Ziel dieser Waffe sei es, sowohl China als auch Russland vor Präzisionsschlägen aus großer Distanz zu schützen (es sind damit wohl die USA gemeint). Bereits 2030 sei dieses System einsatzfähig.
Der deutsche Außenminister Johann Wadepuhl ist über diese Enthüllungen nicht erfreut. „Die Erkenntnisse über den erheblichen Umfang chinesischer Unterstützung für das russische Militär sind äußerst besorgniserregend“, sagte er gegenüber dem Spiegel. Er bestellte deshalb den chinesischen Botschafter Deng Hongbo zu einem dringlichen Gespräch ins Auswärtige Amt ein. Die chinesischen Botschaften in Berlin und Moskau wiesen die Berichte von Spiegel und Le Monde pflichtschuldig zurück. Deutlicher wurde eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums: „Diese Berichte sind haltlos und reine Verleumdung.“
Info:
Die genannten Artikel sind alle hinter einer Bezahlschranke. Ich nenne trotzdem die Links.