Chinas Führung setzt auf Technologie. Das wurde im soeben verabschiedeten neuen Fünf-Jahres-Plan deutlich. Dort sind auch die Technologiebereiche aufgelistet, in denen China mitmischen und an die Weltspitze gelangen will. Die Palette der Technologien ist breit: Sie reicht von Künstlicher Intelligenz über Robotik bis zu Biopharma. Fast täglich tauchen in diesen Tech-Bereichen neue Start-Ups auf, so dass man etwas den Überblick verlieren kann. Ich will deshalb in den nächsten Wochen und Monaten in einer Serie die hoffnungsvollsten jungen Tech-Unternehmen Chinas vorstellen. Heute stelle ich das Robotikunternehmen Fourier vor.
Joseph Fourier war ein großer französischer Mathematiker. Nach ihm benannte Alex Gu das Unternehmen, das er 2015 zusammen mit Zen Koh im Shanghaier Zhangjiang Hi-Tech Park gegründet hat. Sie stellten zunächst sogenannte Exoskeletts her. Das ist eine am Körper getragene Stützstruktur, die den Träger bei Bewegungen unterstützt und physische Belastungen reduziert. Sie unterstützen Menschen mit Bewegungseinschränkungen bis hin zu Querschnittslähmungen. Das erste Produkt der jungen Firma war 2017 der X1, eines der günstigsten Exoskeletts auf dem Markt. Nach und nach erweiterte Fourier sein Angebot an sogenannten rehabilitation robots. Inzwischen ist das Unternehmen in über 2000 Einrichtungen in 50 Ländern aktiv.
2023 stieg dann Fourier ins Geschäft mit menschenähnlichen Robotern, sogenannten Humanoiden, ein. Im Juli 2024 stellte Fourier auf der World AI Conference in Shanghai mit dem GR-1 seinen ersten Humanoiden vor. Ein paar Monate später, im Februar 2024, folgte bereits der GR-2, der größer, schwerer, aber auch flinker war. Im April 2025 präsentierte Fourier mit dem N1 Chinas ersten Open-Source-Humanoiden. Im August 2025 wurde der GR-3 vorgestellt: Ein Humanoide, der vor allem im Pflegedienst eingesetzt werden kann. Er ist 165 Zentimeter groß sowie 71 Kilogramm schwer und kostet rund 200 000 Yuan. Sein Einsatzgebiet sind Reha-Center und Krankenhäuser. Aber er kann auch ein wichtiger Helfer und Begleiter für kranke Menschen in ihrer Wohnung sein. In einer PR-Mitteilung des Unternehmens wird der GR-3 als „eine neue Generation humanoider Roboter“ bezeichnet. Er habe ein „weiches, freundliches Äußeres“ und könne unter anderem tanzen sowie Schach spielen. Robotik-Experte Georg Stieler zählt Fourier zu den fünf wichtigsten chinesischen Herstellern von Humanoiden.
Im Gegensatz zur Konkurrenz hat das Unternehmen ein etwas anderes Finanzierungsmodell. Zwar hat es auch Venture Capital von knapp 200 Millionen Dollar eingesammelt, zum Beispiel von der japanischen Softbank und dem VC-Arm des saudischen Energiekonzern Saudi Aramco. Aber Fourier kann sich zum Teil auch selbst finanzieren, weil es frühzeitig mit seinen rehabilitation robots Geld verdient hat, das es in die Entwicklung von Humanoiden gesteckt hat und weiter stecken wird.
Info:
Hier geht es zur Website von Fourier: https://www.fftai.com/
Und hier ein Video vom GR-3: https://www.youtube.com/watch?v=bkzXjzlEKrU