SERIE I Chinas junge Techunternehmen. Heute: Nova Fusion.

Chinas Führung setzt auf Technologie. Das wurde im soeben verabschiedeten neuen Fünf-Jahres-Plan deutlich. Dort sind auch die Technologiebereiche aufgelistet, in denen China mitmischen und an die Weltspitze gelangen will. Die Palette der Technologien ist breit: Sie reicht von Künstlicher Intelligenz über Robotik bis zu Biopharma. Fast täglich tauchen in diesen Tech-Bereichen neue Start-Ups auf, so dass man etwas den Überblick verlieren kann. Ich will deshalb in den nächsten Wochen und Monaten in einer Serie die hoffnungsvollsten jungen Tech-Unternehmen Chinas vorstellen. Heute ist Nova Fusion aus Shanghai an der Reihe.

Kernfusion ist nicht nur in China ein großes Thema. Kernfusion ist das Gegenteil von Kernspaltung, die in herkömmlichen Atomkraftwerken stattfindet. Die Kernfusion hat gegenüber der Kernspaltung einen großen Vorteil: Sie ist ungefährlicher und der radioaktive Abfall ist viel, viel geringer. Doch sie hat (noch) einen gravierenden Nachteil: Technologisch ist die Fusion ein sehr anspruchsvoller Vorgang. Denn es braucht extrem hohe Temperaturen und einen extrem hohen Druck, damit die Atome innerhalb eines Reaktors fusionieren. Die ideale Temperatur liegt bei rund 100 Millionen Grad. Das ist das Sechsfache der Temperatur auf der Sonne. Man nennt deshalb dieser Reaktoren auch „künstliche Sonne“.

Für viele Staaten ist aber die Kernfusion ein großer Hoffnungsträger. Er könnte mit einem Schlag das allerorten vorhandene Problem der Energieknappheit lösen. So wird überall an der Kernfusion geforscht – in den USA, in Europa (beim Megaprojekt ITER in Frankreich), in Japan – und eben auch in China. Welchen Stellenwert die Kernfusion dort hat, zeigt sich daran, dass die Technologie zum ersten Mal im aktuellen 15. Fünf-Jahres-Plan auftaucht.

Bislang haben sich in China vor allem staatliche Unternehmen und Forschungsinstitute um diese Zukunftstechnologie im Energiesektor gekümmert. Stellvertretend sei hier der Reaktor Experimental Advanced Superconducting Tokamak (EAST) genannt, der in Hefei steht und an dem seit 2006 geforscht wird. Doch nun stürzen sich zunehmend auch private Unternehmen auf dieses Thema. Eines davon ist Nova Fusion Energy Technology Co. mit Sitz in Shanghai. Dahinter steckt Guo Houyang (61), eine internationale Koryphäe der Kernfusion. Guo studierte einst an der Hefei University of Technology, ging danach an die University of Québec in Kanada, wo er auch promovierte. In Kanada arbeitete am National Fusion Program of Canada mit. Es folgten Stationen in Großbritannien (JET) und an der University of Washington.

2021 kehrte Guo Houyang nach China zurück. Nach zwei Stationen als Manager gründete er im April 2025 in Shanghai sein eigenes Unternehmen: Nova Fusion. Schon in der ersten Finanzierungsrunde im August 2025 kamen rund 500 Millionen Yuan zusammen. Anfang April dieses Jahres in der zweiten Runde nochmals 700 Millionen Yuan. Interessant ist die Zusammensetzung der Investoren: Es beteiligten sich Staatsunternehmen wie SAIC, private Konzerne wie Alibaba oder Meituan sowie private und staatliche Venture-Capital-Gesellschaften. Ein häufig auftretendes Muster. Man verteilt die Lasten eines solchen Engagements auf mehrere Schultern. Guo, der ein 40köpfiges Forschungsteam um sich geschart hat, hat das Ziel, dass Nova Fusion das erste private Unternehmen Chinas wird, das die Fusionstemperatur von 100 Millionen Grad erzeugt – und das schon im nächsten Jahr. In der ersten Hälfte der 2030er Jahre soll dann ein erstes kleines Demonstrationskraftwerk in Betrieb gehen. In der Branche ist man freilich skeptisch, was Prognosen anbetrifft. Dort kursiert das Bonmont: Wenn Sie einen Wissenschaftler fragen, wann die kontrollierte Kernfusion möglich sein wird, lautet die Antwort schon seit Jahrzehnten immer: In 50 Jahren.

Info:

Hier ein Artikel in China Talk über die Entwicklung der Kernfusions-Technologie in China: https://www.chinatalk.media/p/all-in-on-fusion?utm_source=post-email-title&publication_id=4220&post_id=174513266&utm_campaign=email-post-title&isFreemail=true&r=1cv&triedRedirect=true&utm_medium=email

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