Ende April vergangenen Jahres herrschte so etwas wie Aufbruchstimmung bei Audi in China. Auf der Volkswagen Group Media Night kurz vor der Automesse in Shanghai wurde der AUDI E5 Sportback präsentiert. Das erste Auto mit der Advanced Digital Platform, die zusammen mit dem Staatskonzern SAIC entwickelt wurde. Und das erste Auto, das nicht mit dem Logo der vier Ringen am Heck, sondern mit den Initialen AUDI auf den Markt kam. Audi-CEO Gernot Döllner sagte: „Der E5 Sportback bietet die Stärken von Audi, interpretiert die DNA unserer Marke neu und ist perfekt auf die Bedürfnisse der chinesischen Kundschaft zugeschnitten.“ Im August 2025 kam der so gelobte E5 auf den Markt. Doch jetzt – etwas mehr als ein halbes Jahr später – ist die große Ernüchterung eingekehrt. „Ein Riesen-Flop“ konstatiert das Magazin Focus.
Bis Ende Januar wurden exakt 7070 Modelle verkauft, im Januar waren es nur magere 420 Stück. Der Wechsel von den vier Ringen zu den vier Buchstaben ist offenbar nicht gelungen. Der Audi ist in China der klassische Statuswagen. Und zu einem solchen gehört das deutlich sichtbare Logo. „Ohne Logo fehlt das Prestige“, schreibt Florian Treiß in electrive.
Nun muss Audi reagieren. Die Preise für den E5 Sportback wurden um 30 000 Yuan gesenkt. Das sind ungefähr 3700 Euro. Der Einstiegspreis reduziert sich deshalb auf 205 900 Yuan. Das Audi-Modell ist damit in der Preisklasse der chinesischen Konkurrenten Zeekr 007 GT und Nio ET 5. Der Xiaomi SU 7 liegt leicht darüber.
Inzwischen rollen auch Köpfe bei Audi China, obwohl natürlich in der Pressemeldung vom 26. Februar kein Zusammenhang zwischen den schlechten Verkaufszahlen des E5 und den verkündeten Wechseln hergestellt wurde. Tatsache aber ist, dass die Vertriebs- und Marketingchefin von Audi China, Katy Tsang, gehen wird und zum 1. Juni durch Matthias Schepers ersetzt wird. Er ist derzeit noch Präsident der Volkswagen Group Japan. Schon zum 1. April kommt Daniel Weissland als Präsident der FAW Audi Sales Corp. Er löst Audi Sales Michael Arndt ab. Weissland, bisher Präsident von Audi of America, gilt als erfahrener und erfolgreicher Vertriebsmann,
Aber nicht nur Audi hat in China Probleme, sondern auch der Stuttgarter Premiumhersteller Mercedes. Die Zahl der verkauften Autos geht kontinuierlich zurück. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 551 900 Stück, ein Minus von 19 Prozent. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2020 lag der Absatz bei 774 382 Autos. Und nun bekommt Mercedes auch noch Konkurrenz im Luxussegment, wo sich der Stuttgarter Konzern bislang unangreifbar wähnte. Der Herausforderer ist ein Auto, von dem hierzulande bislang fast niemand etwas gehört hat: Maextro S800. Es ist das Flaggschiff der Human Intelligence Mobility Alliance. Dahinter verbergen sich der Techkonzern Huawei und eine Reihe chinesischer Autohersteller, an deren Spitze JAC (Anhui Jianghuai Automobile Group Corporation) steht. Die Luxuskarosse ist seit Mai 2025 auf dem Markt und hat vor allem in den vergangenen Monaten gute Verkaufszahlen erzielt. Huawei-Top-Manager Yu Chengdong verriet auf einer Konferenz am 4. März, dass zwischen September und Januar exakt 13 092 Exemplare verkauft wurden. Das sei mehr als der Porsche Panamera, die 7er Serie von BMW und die S-Klasse von Daimler. Mit einem Preis von umgerechnet 86 000 Euro für das Einstiegsmodell ist der Maextro um einiges günstiger als die deutschen Modelle und zudem noch komfortabler. Der Fernsehsender n-tv urteilt: „Ambiente und Ausstattung lassen die Wettbewerber aus der westlichen Welt verblassen.“
Info:
Hier können Sie sich ein Bild vom AUDI E5 machen: https://www.youtube.com/watch?v=FBlvMYW6kes&t=7s
Und hier vom Maextro S800: https://www.youtube.com/watch?v=451hdIKc_-Y&t=454s
Ein Video, wie Carsten Senz und Frank Sieren durch Beijings Hutongs kurven: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7435576168046747648/