Juliet Samuel ist eine der bekanntesten und einflussreichsten Kolumnistinnen Großbritanniens. Sie schrieb einst für The Daily Telegraph. Jetzt ist sie bei The Times unter Vertrag. Dort hat sie eine wöchentliche Kolumne. In der Ausgabe vom 25. Februar hatte diese die Überschrift „Why is Britain educating China‘s scientists?“ Hintergrund für diese provokative Frage ist eine aktuelle Statistik, die UK-China Transparency veröffentlicht hat, wonach an den britischen Elite-Unis (Oxford, Cambridge, Imperial, Manchester und University College London) mehr Chinesen in den sogenannten STEM-Fächern studieren als Briten (STEM steht für Science, Technology, Engineering und Mathematics; das deutsche Kürzel ist MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). So gebe es zum Beispiel bei den Ingenieurswissenschaften 3300 chinesische Doktoranden im Vergleich zu 1900 britischen. In der Mathematik sei das Verhältnis 700 versus 500. Für Juliet Samuel ist eine solche Dominanz eine Gefahr, denn diese Studierenden aus einem „far-off country with a hostile regime“ könnten ihr in UK erworbenes Wissen zurück in China für militärische Zwecke einsetzen. Sie verweist auf das Konzept der „military-civil fiusion“, das in China praktiziert werde.
Wenige Tage nach dieser Veröffentlichung schrieb in der chinesischen Financial Times Jinghan Zeng, Professor an der City University in Hongkong, eine Widerrede. Zeng studierte und lehrte 13 Jahre in Großbritannien. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er sagt: Diese Anschuldigungen seien „part of a long standing structural suspicion and demonisation of China‘s role in the higher education sector by parts of the British media.“ Chinesische Studierende würden oft als potentielle Bedrohungen und nicht als reguläre internationale Studenten angesehen. Er macht dazu einige Klarstellungen. Chinesische Studierende, die übrigens viel Geld für Ihren Studienplatz bezahlten, nähmen keinem britischen Studierenden einen Platz weg, denn „many British students have limited interest in the high-intensity, long-duration nature of STEM research.“ Außerdem: „Labelling students of a specific nationality as „potential risks” ultimately harms the principles of academic openness.”
Der von Juliet Samuel gestellten Frage stellt er am Schluss seine Frage gegenüber: „In a globalised knowledge system, is the UK still willing to be an open academic center, or is it preparing to retreat from its global role, driven by securities anxieties?”
Info:
Hier der Times-Artikel von Juliet Samuel (aber hinter einer Bezahlschranke): https://www.thetimes.com/comment/columnists/article/britain-educating-china-scientists-9gj8xvb2w
Und hier die Erwiderung von Michael Jinghan Zheng: https://www.pekingnology.com/p/when-the-times-asked-why-is-britain