Über 1000 amerikanische Wissenschaftler sandten am 12. Februar einen dreiseitigen Brief an den Präsidenten der Northwestern University of Chicago. Darin fordern sie die Uni-Leitung auf „to acknowledge and apologize for its unjust treatment of Jane Wu.”
Jane Wu, anerkannte Professorin für Neurowissenschaften an der Northwestern University beging am 10. Juli 2025 Selbstmord, an der die Uni-Leitung nicht unschuldig gewesen sei.
Wer war diese Jane Wu, für die sich eine solche große Schar an Wissenschaftlern – darunter auch Nobelpreisträger – stark macht? Und warum nahm sich die 60jährige das Leben?
Jane Wu stammt aus Hefei in China. Im Alter von 22 Jahren schloss sie das Studium an der Shanghai Medical University ab und ging anschließend in die USA. In Stanford promovierte sie, wechselte dann nach Harvard. Nach weiteren Stationen in den USA bekam sie 2005 eine Professur an der Feinberg School of Medicine an der Northwestern University in Chicago.
Ihr Spezialgebiet war die Tumor- und Metastasen-Forschung. Bis 2019 war sie eine anerkannte Forscherin, hatte an der Uni ihr eigenes Lab. Doch dann startete das amerikanische Justizministerium in der ersten Amtszeit von Donald Trump die „China-Initiative“. Nahezu alle Wissenschaftler, die mit China zu tun hatten oder eine chinesische Vergangenheit hatten, wurden untersucht. Auch Jane Wu, die seit 2000 naturalisierte amerikanische Staatsbürgerin war, wurde verdächtigt, weil sie kontakte zu China hatte – wie auch zu Wissenschaftlern anderer Nationen. Vier Jahre lang versuchte das National Institutes of Health (NIH) ihr irgendwelche illegalen Tätigkeiten nachzuweisen. Während dieser Zeit stellte sich die Universität nicht – wie andere Unis – schützend vor ihre Mitarbeiterin. Im Gegenteil: „During the NIH investigation the Northwestern University limited the work of Dr. Wu, partly closed her lab space, broke up her research team, reassigned her grants to her white male faculty colleagues, and left her isolated.” So steht es in der Klageschrift von Jane Wus Familie, die sie am 23. Juni 2025 eingereicht hat. Es kam sogar noch schlimmer. Als im Dezember 2023 endlich das Verfahren gegen sie mangels Beweisen eingestellt wurde, sei sie von der Universität weiter drangsaliert worden, so die Klageschrift. Die Uni „did not restore the lab space taken away from her“. Ihr Gehalt sei gekürzt worden. Teile ihres Labs seien im Februar 2024 geschlossen worden und Mitglieder ihres Forschungsteams habe man versetzt. Am 8. Mai 2024 wurde ihr Lab dann ganz geschlossen. Als sie sich weigerte, das Lab zu verlassen, wurde sie am 23. Mai in Handschellen von der Polizei abgeführt und in die psychiatrische Abteilung des Northwest Memorial Hospitals gebracht. Zwei Wochen später wurde sie dort entlassen. Wenige Tage danach beging sie Selbstmord.
Ein trauriges Schicksal, für das sich die Universität bis heute nicht entschuldigt hat. Deshalb der Brief der über 1000 Wissenschaftler. Ihr Schicksal ist aber auch ein Zeichen dafür, welches Klima in den USA herrscht, wo asiatisch aussehende Menschen sehr oft grundlos als Spione verdächtigt werden. Zwar wurde die China-Initiative unter Joe Biden gestoppt, aber deswegen sind die Anti-China-Ressentiments in großen Teilen der Bevölkerung noch lange nicht verschwunden.
Info:
Hier der Brief der Wissenschaftler: https://www.aasforum.org/wp-content/uploads/2026/02/Letter-for-Dr.-Jane-Ying-Wu-Dated-2.12.2026.pdf
Hier die Klage der Wu-Familie: https://evanstonroundtable.com/wp-content/uploads/2025/08/Jane-Wu-lawsuit.pdf