Als Anfang Dezember 2024 die siegreichen Rebellen in Damaskus einzogen und das Assad-Regime stürzten, waren unter ihnen auch viele Kämpfer aus der chinesischen Region Xinjiang. Sie schwenkten die hellblaue Fahne Ost-Turkestans. So nennen die Uiguren ihr heimatliches Gebiet, das sie von der chinesischen Herrschaft befreien wollen. Seit 2012 befinden sich uigurische Kämpfer in Syrien. Sie leben meist in Idlib oder Aleppo.
Über sie hat Emily Feng soeben ein Buch geschrieben. Die mehrfach ausgezeichnete Reporterin, die inzwischen in Washington lebt und für das National Public Radio (NPR) arbeitet, war in Syrien und hat mit vielen Uiguren gesprochen. Rund 20 000 Uiguren sollen inzwischen in Syrien leben. Nicht alle waren und sind freilich Kämpfer. Viele sind Ärzte, Studenten und kleine Unternehmer. Aber es gab auch eine Turkestan Islamic Party (TIP), die an der Seite der Assad-Gegner kämpfte – zum Beispiel Kommandeur Chogthal. Er sagte noch am Abend des Einzugs in Damaskus laut Feng: „Here in Syria we fight for Allah, we will continue to do this in the cities of Urumqi, Aksa, and Kashgar in the future. We will chase the Chinese infidels off our land.” (Die drei genannten Städte liegen in Xinjiang)
Inzwischen ist die TIP aufgelöst und in das syrische Militär als 84. Brigade integriert. Kommandeure wie Chogthal haben einen Posten im Verteidigungsministerium bekommen. Aber wie lange will er dort bleiben? Feng schreibt, dass viele Uiguren Syrien als eine Zwischenstation auf dem Weg zurück in die Heimat betrachten. Syrien sei für sie – so Feng – „a place from which they would learn all they could before fighting their way back home.” Uiguren wie Kommandeur Chogthal glauben, dass das chinesische System irgendwann zusammenbricht: „I believe the Chinese Communist Party will collapse one day, just like I believe in the sun and the moon”. Er wartet, bis sich Beijing möglicherweise übernimmt, zum Beispiel bei einer Taiwan-Invasion oder einem Konflikt im Südchinesischen Meer. Dann würden sie zurückgehen, kämpfen und – so seine Hoffnung – siegreich in Urumqi einziehen – so wie jüngst in Damaskus.
Info:
Emily Feng: Our Hearts Burned for Home – Uyghur Militants in Syria’s Civil War”, Columbia Global Reports, 128 Seiten, 18 $