Der chinesische Künstler Ai Weiwei hält sich immer wieder mal in Berlin auf. Dort hat der 69jährige ein Studio. In diesem gewährte Ai dem Journalisten Michael Hesse (Frankfurter Rundschau) ein Interview. Thema: Zensur. Das war natürlich kein Zufall, denn der Überlebenskünstler hat gerade ein Buch zu dem Thema veröffentlicht: Ai Weiwei über Zensur (Westend-Verlag, 126 Seiten, 20 Euro). Wie man von Ai Weiwei erwarten darf, teilt er nach allen Seiten aus. Zunächst bekommt Deutschland sein Fett weg. Deutschland habe seine Werte verloren, sagt Ai: „Man sieht das etwas am Umgang mit Israel und den Palästinensern, aber auch an der Unklarheit im Ukrainekrieg.“ Ausführlich redet er über Zensur in China: „Ich wurde mit der Zensur geboren – wie mit einem schweren Stein auf dem Rücken.“ Er spielt dabei auf seinen schriftstellernden Vater an, der als „Rechter“ gebrandmarkt und in ein Umerziehungslager gesteckt wurde. Ai sagt, dass die Zensur in China sich bis heute nicht verändert habe: „Zensur ist ein Teil der Propaganda. Die Menschen bekommen nur begrenzte Informationen, und was nicht eindeutig auf der Linie der Partei liegt, wird zensiert.“ Die Zensur sei Ausdruck der Angst einer Regierung vor ihren eigenen Bürgern und von freien Meinungen. Ob er die Möglichkeit einer starken Opposition in China sehe, fragte ihn Michael Hesse. Ai Weiweis antwortet: „Unter den gegenwärtigen Bedingungen praktisch nicht.“ Viele gewöhnliche Chinesen würden gegenwärtig keinen Grund für einen grundlegenden Wandel sehen. Ihr Lebensstandard habe sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert.
Info:
Hier das Interview mit Ai Weiwei in der Frankfurter Rundschau: https://www.msn.com/de-de/unterhaltung/allgemein/ai-weiwei-deutschland-hat-seine-werte-verloren/ar-AA2azjb2