BÜCHER I Neuerscheinungen

Deutsch:

Leh-Wei Liao: Glaszeit. Die junge Ärztin Novana entdeckt auf einem Werbedisplay in der Taipei Mall ihre Mutter wieder – die taiwanesische Künstlerin March. Diese hat sie vor 18 Jahren ohne jede Erklärung in Deutschland zurückgelassen. Der Roman der in Göttingen geborenen Ärztin Leh-Wei Liao gelingt es – so die Rezensentin Judith von Sternburg (Frankfurter Rundschau) – „gleichzeitig überzeugend über das Muttersein, über die Probleme von Deutsch-Taiwanesen in der Heimat der Eltern und über die Liebe zu schreiben“.

Luchterhand Literaturverlag, 288 Seiten, 24 Euro.

Zechen Xu: Der große Kanal. 1901 reist der italienische Fotograf Polino Di Marco den Kaiserkanal entlang auf den Spuren von Marco Polo. 2014 recherchiert ein TV-Journalist eben über diesen Kanal. Zwei Handlungsstränge, die parallel verlaufen. „So verwebt Xu Zechen Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West, Krieg und Liebe zu einem Roman über das Leben entlang einer der ältesten Wasserstraßen der Welt“, heißt es im Klappentext. Für Oliver Pfohlmann (Deutschlandfunk) verbindet der Autor „mit Beschreibungsfuror und Humor allerhand Figuren, Motive und Perspektiven“ und setzt „ein Denkmal für den großen Kanal“. 

Matthes & Seitz, 510 Seiten, 32 Euro.

Rainer Kloubert: Verbotene Stadt – Verbotenes Land? Zeichen im Reich der Mitte. In diesem Buch – so verspricht der Klappentext – „erfährt man viel über das Leben in der verbotenen Stadt“. Vor allem aber – so heißt es dort weiter – „erfährt man, dass Chinesen bis heute eine völlig andere Art zu denken haben als wir – und warum dies der Fall ist“. Rezensent Arno Widmann (Frankurter Rundschau) findet die gesammelten Anekdoten von Rainer Kloubert „herrlich, lehr- und genussreich“.

Elfenbein Verlag, 272 Seiten, 65 Euro.

Englisch:

Michael Dillon: Shanghai: The Story of China’s Most Dynamic City. Shanghai wird häufig, zu häufig als wirtschaftliche und kulturelle Metropole Chinas dargestellt. Diese Sichtweise ist jedoch zu einseitig, meint der Historiker Michael Dillon. Er legt deshalb in seiner Geschichte über Shanghai auch viel Wert auf das politische Shanghai, das ja 1921 die Geburtsstätte der Kommunistischen Partei Chinas war. Jonathan Chatwin (Asian Review of Books) urteilt. “Dillon´s book is an excellent primer on Shanghai’s history, particularly in relation to elite politics in the post-1949 era.”  

Yale University Press, 352 Seiten, 35 $.

Paul French: The Last Emperor of China: Twilight of the Forbidden City. Der Historiker Paul French, der uns schon mit zahlreichen Büchern (“Midnight in Peking” oder “City of Devils”) beglückte, beschäftigt sich diesmal mit dem letzten Kaiser Puyi, der den meisten durch Bernardo Bertoluccis Film “The Last Emperor” (1987) bekannt ist. Stuart Lloyd urteilt in Asia Review of Books über das neue Buch von French: “This is a book for readers drawn to the intimate textures of history, those who find the human detail more revealing than grand sweeps of political chronology. It will appeal particularly to anyone with an interest in late-imperial China, the strange twilight world of treaty-port Asia, or the dynamics of colonial encounters. Readers who came to Puyi through Bertolucci will find their understanding quietly deepened, and perceptions substantially shifted. Elliott & Thompson, 320 Seiten, rund 30 Euro.

Logan Wright: Broken China: How the Economic Miracle Shattered and What it Means for the World. Der Autor ist Partner beim amerikanischen Beratungsunternehmen Rhodium Group. Für ihn stößt die chinesische Wirtschaft an ihre Grenzen, verursacht durch die Kreditexpansion der vergangenen Jahre. China habe keine Instrumente mehr, um die inländische Nachfrage zu steigern und müsse deshalb seine Exportmaschine weiter am Laufen halten. Dies stoße aber auf Widerstand der Länder, die durch Chinas Exportschwemme betroffen werden und deshalb mit protektionistischen Gegenmaßnahmen reagieren, was wiederum China schade.

Polity, 272 Seiten, rund 28 Euro.

Steve Tsang and Olivia Cheung: China‘s Global Strategy Under Xi Jinping, Tsang und Cheung, beide am SOAS in London tätig, beschreiben in ihrem Buch, wie Xi Jinping seit der Machtübernahme 2013 sich sukzessive auch die Macht in außenpolitischen Fragen aneignete, nachdem sie unter seinen Vorgängern etwas erodiert war. „Xi went about restoring the Party Central’s dominance, granting himself a prominent role,” schreiben die beiden Autoren. Er schuf neue, auf ihn zugeschnittene Institutionen. Inzwischen spreche man von „head-of-state diplomacy“.

Oxford University Press, 296 Seiten, 28,99 Euro.

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