GESELLSCHAFT I Wie KI in Schulen und Hochschulen gefördert wird

Schulferien in China sind für viele Schüler keine Zeit zum Ausruhen. Auch diese vermeintlich freien Tage werden zum Lernen genutzt. Die elfjährige Xu zum Beispiel verbrachte im Juli eine ganze Woche in einem AI-Camp auf dem Campus des Tech-Konzerns Alibaba in Hangzhou. Dort wurde ihr erst eine Einführung in KI gegeben und anschließend zeigte man ihr, wie man dieses Wissen im Alltag umsetzen kann. „I learned so much that isn´t in our textbooks”, sagte die Schülerin danach gegenüber dem Online-Magazin Sixth Tone.

Wie Xu werden in diesen Wochen viele chinesische Jugendliche in sogenannte AI-Camps geschickt. Viele Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder nicht genug über diese neue Technologie lernen könnten und deshalb im gnadenlosen Wettbewerb um Jobs den Anschluss verlören. Deshalb boomt in China gerade das Geschäft mit AI-Camps. Sie werden von Unis (zum Beispiel dem renommierten Harbin Institute of Technology), von Konzernen wie Alibaba, aber auch von Ein-Mann-Unternehmen angeboten, die das Blaue vom Himmel versprechen. So wirbt in Beijing ein Unternehmen damit, ein Kind in sechs Tagen zu unterrichten, wie man ein KI-Startup gründet. Dafür müssen die Eltern 13 000 Yuan berappen (rund 1675 Euro). Dafür gibt es KI-Grundkenntnisse, business skills und financial thinking. Im Schnitt kostet die Teilnahme an einem AI-Camp in Beijing und Shanghai rund 6000 Yuan. Angesichts steigender Nachfrage schießen solche Camps wie Pilze aus dem Boden. Nicht alle Angebote sind seriös, viele Kursleiter haben wenig Ahnung und Erfahrung. Sixth Tone zitiert eine Insiderin, die sagt: „A few days of training is standard.” Innerhalb dieser kurzen Zeit würden beispielsweise Musik- und Sportlehrer zu KI-Experten umgeschult.

Wesentlich seriöser geht es an Chinas Schulen und Hochschulen zu. In beiden Institutionen spielt KI inzwischen eine wichtige Rolle – auch weil dies der Staat massiv einfordert und fördert. Während hierzulande noch diskutiert wird, ob und wie man KI am besten in den Unterricht integriert, macht China längst Nägel mit Köpfen. Für Chinas Führung ist KI die Zukunftstechnologie, bei der zum ersten Mal die Chance gesehen wird, ganz vorne an der Weltspitze mit dabei zu sein (siehe hierzu auch die Rede von Xi Jinping bei der WAIC). Die Grundlagen dafür werden in den Schulen und Hochschulen gelegt. Entsprechend wurden in den vergangenen zwei Jahren mehrere Programme und Pläne für KI-Ausbildung im chinesischen Bildungssystem aufgelegt: 

  • Im November 2024 gab das Bildungsministerium die „Guidance on Strengthening AI Education in Primary and Secondary Schools“ heraus.
  • Im Mai 2025 folgten dann zwei weitere, detailliertere Dokumente des Bildungsministeriums: „General AI Education Guide for Primary and Secondary Schools“ und „Guide for the Use of Generative AI by Primary and Secondary Schools“.
  • Im April 2026 der „AI+Education“ Action Plan. Herausgegeben von den drei Ministerien Bildung, Industrie und Wissenschaft, sowie der NDRC und der National Data Administration.

Ab dem im kommenden Herbst beginnenden Schuljahr müssen alle Grund- und Mittelschulen Einführungskurse in KI anbieten. In einigen Städten und Provinzen gibt es die Pflicht bereits. Zum Beispiel in der Hauptstadt Beijing und der Provinz Guangdong. In Beijing sind seit einem Jahr für die Grund- und Mittelschulen mindestens acht KI-Unterrichtsstunden im Schuljahr verpflichtend. Dabei zeigt man Flexibilität: Dieser Unterricht kann in eigens neu eingerichteten AI-Kursen stattfinden oder in bestehende IT- oder Technikkurse integriert werden. Um das Problem der fehlenden Lehrer zu lösen, hat die lokale Bildungsbehörde ein „AI education lecturer team“ gebildet, in dem Experten von Unis, Forschungsinstituten und Techfirmen mitarbeiten. In Guangdong, wo bereits seit April 2025 KI-Unterricht Pflicht ist, wird der Umfang nach Altersstufen differenziert. In den Klassen 1-4 sind mindestens sechs Stunden pro Schuljahr vorgeschrieben, für die Klassen 5-9 mehr als zehn Stunden und für die Klassen 10 und 11 alle zwei Wochen mindestens eine Stunde. Die Erfahrungen aus diesen Pilotversuchen sollen in die nun folgende landesweite Ausbreitung von KI-Unterricht einfließen. Noch zu erwähnen ist, dass ab 2030 KI auch ein Prüfungsthema beim Gaokao sein wird.

Ähnlich wie bei den Schulen geht man bei den Hochschulen vor. Auch hier wird erst mal in Pilotprojekten gestartet. Mit dabei an vorderster Front sind die Elite-Unis Tsinghua (Beijing) und Fudan (Shanghai). An der Tsinghua werden bereits über 440 KI-Kurse angeboten, an der Fudan über 100. An den Unis sollen neue KI-relevante Studiengänge angeboten werden, wie zum Beispiel Smart Manufacturing oder Digital Health. Aber es sollen auch für alle Studierenden KI-Kurse zur Pflicht gemacht werden. Wie sagte doch Zhou Daweng, Abteilungsdirektor im Bildungsministerium, bei der Vorstellung des „A+Education“ Action Plans: „We will build a general AI literacy system for all stages of education and for the whole of society.“ 

Info:

Das australische Bildungsministeriums hat eine Übersicht über die diversen chinesischen Programmeerstellt: https://www.education.gov.au/download/19495/chinas-approach-ai-education-primary-and-secondary-schools/41945/document/pdf

Ein Beitrag bei Al Jazeera: https://de.video.search.yahoo.com/yhs/search?fr=yhs-trp-018&hsimp=yhs-018&hspart=trp&p=ai+education+china&type=Y143_F163_225899_091823#id=1&vid=84709bb565be277560da9b8919195b15&action=click

Artikel Summer Camps: https://www.sixthtone.com/news/1018774

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