INTERVIEW I Martina Rudyak

Ein lesenswertes Interview gab die Heidelberger Sinologin Marina Rudyak dem ipg-Journal der Friedrich-Ebert.-Stiftung (30. Juni). Die Überschrift lautet: „Der größte Fehler war, China nicht zu glauben.“ Sie kritisiert, dass sich hierzulande viele nicht ernsthaft damit beschäftigt haben, was China vorhatte und vorhat. Dabei sei alles bekannt gewesen, zum Beispiel durch die Fünfjahrespläne. Aber – so Rudyak – „wir haben es entweder nicht gelesen oder nicht geglaubt“.  Zudem seien viele Politikwissenschaftler wie auch Politiker im Westen davon ausgegangen, „dass wirtschaftliche Entwicklung zwangsläufig zu Demokratisierung führt und autoritäre Systeme auf Dauer nicht innovativ sein können“. Beides habe sich für China nicht bestätigt. Wir hätten den Westen als Norm betrachtet und fälschlicherweise angenommen, andere Gesellschaften würden sich früher oder später in dieselbe Richtung entwickeln. Neben diesem kritischen Rückblick auf unsere falsche China-Perzeption bietet Rudyak aber auch Empfehlungen, um die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Sie fordert deshalb: „Wir müssen sehr viel stärker in China-Kompetenz investieren. Deutschland braucht deutlich mehr Menschen, die chinesische Quellen auswerten, Entwicklungen einordnen und dieses Wissen in Politik und Verwaltung einspeisen können. Ich würde mir wünschen, dass sich die Politik genau dafür stärker einsetzt.“

Info:

Das Interview im ipg-Journal kann man hier nachlesen: https://www.ipg-journal.de/interviews/artikel/der-groesste-fehler-war-china-nicht-zu-glauben-9156/

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