POLITIK I Ein cooles Produkt aus China

Seit Wochen leidet Europa unter einer Hitzewelle. Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Grenze sind die Norm geworden. Mancherorts überschritten sie gar die 40-Grad-Marke. In vielen Wohnungen ist der Kühlschrank der einzig kühle Ort. Mangels

Größe eignet er sich aber nicht als temporärer Fluchtpunkt. Abhilfe schaftt nur ein anderes elektrisches Gerät: eine Klimaanlage. Doch die Europäer – zumindest die in Mittel- und Westeuropa – betrachteten diese Geräte bislang nicht als notwendig. Sie seien zu laut, verschandelten die Fassaden und fräßen zu viel Energie. 

Doch angesichts der aktuellen Temperaturen und der wachsenden Einsicht, dass diese Hitzewellen künftig öfters übers Land schwappen werden, hat bei vielen ein Umdenken eingesetzt. Klimaanlagen sind inzwischen gefragt, vor allem sogenannte portable air conditioner. Sie erfordern keine aufwendige Installation, sie können ohne Bohrarbeiten selbst montiert werden. Und wer liefert diese mobilen Split-Klimaanlagen? Vor allem chinesische Hersteller. Im vergangenen Jahr exportierte China Klimaanlagen im Wert von 27,2 Milliarden Dollar. Das ist ein Anteil von 40 Prozent auf dem Weltmarkt. Unternehmen wie Dreame, Gree, Haier, Hisense und Midea dominieren den Markt. Ihre Geräte kosten zwischen 400 Euro (Modell „P Wind“ von Dreame) und rund 1000 Euro („Midea Portasplit“).

Vor allem der „Midea Portasplit“ ist der Renner in Europa. Bis dato 2026 wurden bereits rund 200 000 Stück in Europa verkauft. Das ist ein Anstieg von 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mittlerweile sind diese Geräte nahezu ausverkauft. Der Kölner Software-Ingenieur Adrian Kübel hat eigens eine Website entwickelt, auf der er die Bestände dieses Geräts in deutschen Baumärkten auflistet und ständig aktualisiert (die aber bei Redaktionsschluß nicht mehr online war). Danach gab es Anfang Juli in den 1186 Filialen von Bauhaus, Hornbach & Co. nur noch ein(!) solches Gerät. In Kleinanzeigen werden die Midea-Geräte zu überhöhten Preisen angeboten. Dort gibt es auch Mietangebote für bis zu 350 Euro die Woche.

Midea ist von der Nachfrage in Europa überrascht worden und fährt nun die Produktion hoch. Aber es braucht seine Zeit, bis die Geräte in Europa ankommen. Sie werden per Bahn geliefert. Der Transport auf der Schiene von China nach Europa dauert zwischen 15 und 25 Tagen. Bei Midea sieht man in Europa inzwischen einen wachsenden Markt mit viel Potential. Xiong Xueqin, Vertriebschef von Midea Europa, sagte gegenüber Sixth Tone: „The market penetration rate of traditional split-system air conditioner in Western European countries is about 6 percent, meaning that the market holds immense potential demand for cooling products.” 

Dieser Boom chinesischer Klimaanlagen hat auch eine politische Dimension. In Zeiten, in denen europäische Politiker vor der Flut chinesischer Produkte warnen, zeigt sich, dass wir hierzulande auf chinesische Produkte angewiesen sind. Kaum ein Hersteller in Europa hat solche Klima-Geräte im Angebot. In den sozialen, aber auch den staatlichen Medien Chinas wird dieser Widerspruch genüsslich kommentiert. Das sei der Beweis, dass China die Welt nicht mit billigen Produkten flute, sondern Produkte anbiete, die die Menschen wirklich benötigen. Der staatliche Auslandssender CGTN kommentiert: „China did not create Europe’s demand for air conditioner, climate change did.”

Der amerikanische Sender CNBC sieht anhand dieses Falls das Dilemma europäischer Handelspolitik gegenüber China: „Europe wants to rebalance trade with China, but can´t quit Chinese air conditioners. This is a telling tale illustrating how hard it will be for Brussels to address the trade imbalance.”

Info:

Artikel in Sixth Tone: https://www.sixthtone.com/news/1018714

Artikel in CNBC: https://www.cnbc.com/2026/07/02/european-union-china-meeting-summer-heatwave-trade-imbalance-tariffs-.html

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