CHINESISCHE GESCHICHTE (N) I Das schwierige. Verhältnis zwischen der DDR und China in den 60er Jahren

Ende der 50er Jahre, anfangs der 60er Jahre kam es zum Bruch der Sowjetunion mit der Volksrepublik China. Die beiden kommunistischen Bruderstaaten waren sich uneinig über den richtigen Weg zum Kommunismus: China ging unter Mao Zedong den eher revolutionären Weg, Nikolaj Chruschtschow bevorzugte eher die langsamen Schritte. Die UdSSR zog ihre Berater zurück, von denen über 100 000 in China waren. Es herrschte Eiszeit zwischen den beiden großen kommunistischen Nationen. Die galt auch für die Satellitenstaaten im russischen Kosmos, also auch für die DDR. Wie sich das Verhältnis zwischen der DDR und der VR China in den 60er Jahren entwickelte, darüber berichtet Axel Berkofsky (University of Pavia) in einem Beitrag für das Deutschland-Archiv der Bundeszentrale für Politische Bildung (4. Juni 2026). Titel: „Paranoia und Anzeichen akuter Panik: Die Stasi und China in den 1960er Jahren.“

Bevor er über die 60er Jahre schreibt, schwenkt Berkofsky kurz zurück in die frühen 50er Jahre. Damals sei von Moskau der DDR Freundschaft und Solidarität mit China befohlen worden. Die Begeisterung habe sich freilich in Grenzen gehalten. „Die DDR hat China nie wirklich getraut“, schreibt Berkofsky. So wurden zum Beispiel 1952 Anträge auf Gründung einer Deutsch-Chinesischen Freundschaftsgesellschaft abgelehnt. Und schon vor dem Bruch wurden Kontakte zwischen Chinesen und DDR-Bürgern unterbunden. In den 60er Jahren nahmen dann die anti-chinesischen Maßnahmen zu. Die DDR-Botschaft in Beijing wurde 1960 angewiesen, darauf zu achten, dass die in China studierenden Ostdeutschen nicht mit der falschen Version des Marxismus-Leninismus kontaminiert würden. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) – kurz Stasi – überwachte alle chinesischen Studierenden in der DDR und alle ostdeutschen Studierenden in China. Im April 1963 veröffentlichte dann das MfS eine Liste chinesischer Publikationen, die verboten waren – darunter Artikel aus der Volkszeitung und der Beijing Rundschau. Außerdem postierte die Stasi Spitzel vor der chinesischen Botschaft in Ost-Berlin, um die ost- und auch westdeutschen Besucher zu notieren. Im Juli 1963 berichtete das MfS, dass Familienangehörige von Mitarbeitern der chinesischen Botschaft versucht hätten, offizielle chinesische Dokumente an ostdeutsche Intellektuelle, Wissenschaftler, Journalisten und lokale SED-Mitglieder zu versenden. Die rund 300 Briefe seien erfolgreich abgefangen und beschlagnahmt worden. Aber trotz aller Unterbindungen von Kontakten habe es – so Berkofsky – eine gewisse Sympathie in der DDR für Chinas Weg gegeben – vor allem bei den alten Genossen, die einst in den 20er Jahren in die KPD eingetreten waren. Für sie sei die chinesische Variante näher am Geiste des Kommunismus gewesen.

Doch die Moskau-treue DDR-Führung blieb auf ihrem anti-chinesischen Kurs. Zum Teil wurde sogar bis in hohe SED-Kreise hinein von der „gelben Gefahr“ gesprochen und entsprechend gehandelt. Als im August 1967 das chinesische Frachtschiff „Song Jiang“ vor Rostock ankerte und Banner mit Mao-Parolen auf Deutsch zeigte sowie Mao-Bibeln an die Bevölkerung verteilte, schritt die Stasi ein. Ende 1968 zog die Stasi ihre Wachposten vor der chinesischen Botschaft in Ost-Berlin ab und hörte auf, die Besucher der Botschaft zu zählen. Stattdessen wurde allen DDR-Bürgern untersagt, die chinesische Botschaft ohne ausdrückliche Genehmigung der Behörden zu betreten.

Info:

Hier der Beitrag von Alexander Berkofsky im Deutschland-Archiv: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/578555/paranoia-und-anzeichen-akuter-panik/

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