MEDIEN I Spiegel-Korrespondent Georg Fahrion verlässt China – und zieht Bilanz

Sechs Jahre lang war Georg Fahrion Korrespondent des Spiegel in China. Ende vergangenen Jahres hat er Beijing verlassen und sich auf eine Weltreise begeben. Gerade ist er in Indien. Zur Jahresmitte wird er zum Spiegel zurückkehren, wahrscheinlich in das Hauptstadtbüro des Magazins. In der Ausgabe 5/2026 vom 23. Januar zieht er eine sehr persönliche Bilanz seiner sechsjährigen Korrespondenten-Tätigkeit in China. Es ist ein ausgewogener Rückblick, in dem Fahrion auch seine ursprüngliche Sicht auf China hinterfragt.      

„Ich verglich Chinas Aussichten damit, wie es in der DDR gelaufen war: das Regime wird immer entrückter, in der Bevölkerung gärt es, irgendwann kracht´s. War das nicht das Schicksal jedes autoritären Systems, früher oder später?“ Doch jetzt, nach sechs Jahren in China, stellt er fest bzw. muss er feststellen: „Das Regime steht bombenfest. Das verdankt es auch Unterdrückung und Propaganda. Doch allein darauf gründet Chinas Stabilität nicht.“ Das System liefere vielen seiner Bürgerinnen und Bürger, was sie sich wünschen. Es stille nicht nur materielle, sondern auch emotionale Bedürfnisse.  So würden viele Chinesen Vaterlandsliebe empfinden und auch einen gewissen Stolz auf das Erreichte. Viele seiner chinesischen Bekannten sähen mit  Befriedigung, dass China sein „Jahrhundert der Demütigung“ hinter sich gelassen habe. Die meisten Chinesen seien ebenso stolze Bürger eines starken Landes, wie die Amerikaner es waren, bevor in den Nullerjahren der relative Niedergang der Vereinigten Staaten begonnen habe. Heißt das, dass sie sich mit dem System arrangiert haben, nicht mit ihm hadern? Fahrion antwortet mit einem Jein. Einerseits wachse die Wirtschaft wachse nicht mehr so schnell, sei aber von einer Rezession weit entfernt. Andererseits liefere das System weiter ab. Die KI-Branche boomt, das öffentliche Leben nach Corona habe sich entspannt. Der technologische Fortschritt mache den Konsum komfortabler. Das Land werde unbehaglicher – und lebenswerter zugleich. Die meisten Chinesen neigten dazu , die Chancen und Erfolge zu sehen. Die problematischen Aspekte des Systems nähmen sie hin wie Deutsche eine Zugverspätung.

Info:
Hier gibt es den Essay von Georg Fahrion (allerdings hinter einer Bezahlschranke): https://www.spiegel.de/ausland/china-abschied-eines-korrespondenten-das-regime-steht-bombenfest-a-0b653e07-092a-41fc-a9c4-8edee76044c5

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