WIRTSCHAFT I Die Bundesbank denkt, die Unternehmen handeln

Just am 24. Januar meldeten sich gleich zwei deutsche Institutionen mit Berichten über Chinas Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Zum einen veröffentlichte die Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) Greater China ihren halbjährlichen Confidence Survey 2023/24 mit dem Titel „Ready, Set…Compete“. Und zum anderen publizierte die Deutsche Bundesbank in ihrem Januar Monatsbericht einen Artikel mit der Überschrift „Risiken für Deutschland aus der wirtschaftlichen Verflechtung mit China“. In der AHK-Umfrage, an der 566 Mitgliedsfirmen teilnahmen, wird für das laufende Jahr 2024 ein vorsichtiger Optimismus im China-Geschäft konstatiert – im Vergleich zum enttäuschenden Jahr 2023. Nur eine kleine Minderheit überlegt, sich aus China zu verabschieden, 91 Prozent hingegen bleiben. Über die Hälfte – exakt 54 Prozent – planen sogar ihre Investitionen zu erhöhen. Grund für die Investitionen: Die Unternehmen wollen in dem zunehmend kompetitiver werdenden Markt wettbewerbsfähig bleiben. Viele sehen China inzwischen als Innovationsmarkt, in dem man einfach vertreten sein muss. Gleichwohl sehen die deutschen Unternehmen auch die Risiken im Markt. Als größtes Risiko betrachten sie mit 53 Prozent mögliche geopolitische Schwankungen. Und welche De-Risking-Strategien verfolgen sie? An erster Stelle steht der Aufbau von China unabhängiger Lieferketten (45 Prozent). 40 Prozent planen den Aufbau zusätzlicher Produktionen in anderen Ländern (die sogenannte China+1-Strategie). Lediglich ein Viertel will Teile des Geschäfts in andere Länder verlagern.

Eine Strategie, die auch die Bundesbank empfiehlt: „Unternehmen und Politik hierzulande sollten weitere Anstrengungen unternehmen, um Risiken zu reduzieren.“ Doch verfolgt auch die Bundesbank die Politik des Sowohl-als-auch. Ja, Risikominimierung ist notwendig, aber andererseits: „Der Fortbestand guter Wirtschaftsbeziehungen liegt im beiderseitigen Interesse (Deutschlands und Chinas).“ Immerhin weist die Bundesbank darauf hin, dass Deutschland seit 2001 (das war das Jahr des WTO-Beitritts Chinas) stark von Chinas rasantem Aufstieg profitiert habe. Die Unternehmen fuhren satte Gewinne ein, und die Verbraucher hierzulande kamen in den Genuss günstiger Produkte. Aber nun sehen die Bundesbanker wachsende Risiken – hausgemachte (eine Wirtschaftskrise in China halten die Autoren durchaus für möglich) und solche aufgrund zunehmender geopolitischer Spannungen. „Verwirklichten sich die Risiken, könnte dies die deutsche Wirtschaft hart treffen.“ Im Extremszenario einer wirtschaftlichen Abkoppelung von China müssten manche Firmen „um einen substanziellen Teil ihrer Umsätze und Gewinne fürchten“. Risiken gäbe es in diesem Falle auch für die Stabilität des deutschen Finanzsystems, denn die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten würde sich erhöhen. Insgesamt käme es bei einem solchen De-Coupling zu gravierenden wirtschaftlichen Verwerfungen. Ein solches De-Coupling wird freilich von der deutschen Politik nicht angestrebt. Dort favorisiert man das De-Risking, das sukzessive Umorientieren auf andere Märkte – bei Absatz, Produktion und Lieferketten. Aber auch da sieht die Bundesbank Gefahren: „Allerdings wäre selbst ein geordneter Rückzug aus China mit erheblichen Verlusten verbunden.“ Viele Lieferketten ließen sich wohl nur unter größeren Effizienzverlusten neu ausrichten.

Info:

Die Ergebnisse der Umfrage der AHK Greater China kann man hier downloaden : https://china.ahk.de/market-info/economic-data-surveys/business-confidence-survey-1

Und hier der Artikel aus dem Januar-Monatsbericht der Deutschen Bundesbank: https://www.bundesbank.de/resource/blob/844970/a5a1f26d59d1e1ef7c4f33786fada36b/mL/2024-01-china-data.pdf

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